Rundreise auf der Isle of Skye
Scones und Midges
Als wir Fort William passierten, erspähten wir den Ben Nevis, Großbritanniens höchste Erhebung, wie er sich selten präsentiert: Wolkenfrei zeigte sich der Gipfel. Eigentlich hätte man die Gelegenheit sofort nutzen und hinauf steigen müssen; dieser Ausflug war ja noch offen von meiner letzten Reise nach Schottland, als ich den West Highland Way gewandert bin (siehe Reise 1998). Aber uns zog es direkt Richtung Skye...
Nach kurzer Mittagspause am Loch Lochy und einer Fahrt durch das wilde Glen Shiel erreichten wir am späten Nachmittag das berühmte Eilean Donan Castle. Von diesem wunderschönen Schloss, bekannt von zahlreichen Bildern und aus dem ersten "Highlander"-Film, wollte ich unbedingt Fotos im Abend- und auch im Morgenlicht machen. Wir mussten uns also direkt beim Castle für die Nacht einquartieren. Leider war das Nächtigen auf dem großen Parkplatz des dem Schloss vorgelagerten Besucherzentrums untersagt; ein Schild mit der Aufschrift "No overnight parking" machte uns darauf aufmerksam. Wir hielten jedenfalls erst einmal und sichteten die Lage. Über die aus dem Film bekannte Brücke erreichten wir das Schloss, das wir wegen der fortgeschrittenen Zeit allerdings nicht mehr von innen besichtigen konnten. Das äußere Erscheinungsbild fand ich allerdings eh viel aufregender; innen wirken Castles oft wie Museen.
Zurück auf dem Parkplatz entdeckten wir einen angrenzenden Platz direkt am See, der wie ein Baustellenplatz wirkte, nur mit Sand und Schotter ausgelegt und ohne Verbotsschild - ein idealer Übernachtungsplatz. Sofort steuerten wir unser Gefährt dorthin. Die Sonne machte sich langsam bettfertig, und ich holte meine Fotoausrüstung heraus und stellte mich meiner Leidenschaft. Bis 23 Uhr noch habe ich das romantisch auf einer Insel im Loch Duich liegende alte Schloss auf Diafilm gebannt.
Hier haben wir zum ersten mal realisiert, dass auch hier Ebbe und Flut herrschen. Bei der Ankunft am Schloss war der See unterhalb der Brücke trocken, nur unappetitlich aussehender Tang und dicke Steine waren zu sehen - kein Wasser. Was ist denn hier los, fragten wir uns. Im Verlauf des Abends kam jedoch das Wasser wieder, sodass sich das Schloss beim nächtlichen Fotografieren schon wieder bestens im See spiegeln konnte. Das war schon witzig, diesem Prozess der Flut zusehen zu können, zu beobachten, wie das Wasser einfach so heranfloss. Man macht sich das sonst gar nicht so bewusst, welch faszinierende Effekte es auf der Erde gibt.
Am folgenden Morgen wurden wir dennoch von unserem herrlichen Platz mit fantastischem Blick über den See verscheucht. Um kurz nach neun - wir waren mit dem Frühstück noch nicht fertig - kam ein orangefarbener Kleinwagen zu uns gefahren. Er sah aus wie einer von den Stadtwerkefahrzeugen in unserer Heimat. Ein Mann und eine Frau klopften an und meinten, wir sollten doch in zehn Minuten den Platz hier räumen, besser noch in fünf. Es komme ein Filmteam mit einem Hubschrauber, der hier landen sollte, wo wir gerade standen. Und so ein Helikopter sei teuer!
Wir packten also schnell alles zusammen - der Tee war noch nicht einmal ausgetrunken - und parkten unser fahrendes Heim auf dem offiziellen Parkplatz des Castles, um das Spektakel zu beobachten. Claudia frohlockte schon und hoffte, dass Pierce Brosnan auftauchte, um den nächsten James Bond zu drehen. Aber was wir dann erlebten, war doch enttäuschend. Zunächst passierte gar nichts. Das Filmteam war nach fünf Minuten noch nicht da, auch nicht nach zehn. Und wir hatten uns so beeilt! Nach über dreißig Minuten endlich hörten wir in der Ferne einen Helikopter kreisen. Er umrundete mehrmals das Schloss, und der Pilot schien lange zu überlegen, ob er wirklich dort landen sollte, wo wir vorher die Nacht verbracht hatten. Schließlich setzte er kurz auf, entließ drei Leute mit Kameras auf dem Buckel nach draußen, stieg für zwei Minuten wieder auf, landete dann erneut, die Leute stiegen wieder zu, und der Hubschrauber flog von dannen! Das war alles. Quasi "viel Lärm um nichts".
Vor der Überfahrt nach Skye tankten wir unser Fahrzeug in Kyle of Lochalsh noch einmal voll, weil wir dachten, auf einer Insel sei das Benzin doch bestimmt immer teuer als auf dem Festland. Das war aber ein Irrglaube! Vielleicht, weil Großbritannien selbst ja auch schon eine Insel ist. Jedenfalls entdeckten wir direkt hinter der kostenpflichtigen Brücke, die nach Skye hinüberführt (ein Wohnmobil geht übrigens als Pkw durch!), eine Tankstelle, bei welcher wir einige Cent pro Liter hätten sparen können!
Bei erneut herrlichstem Wetter begannen wir unsere kleine Rundreise über die Insel mit den vielfältigen Landschaftsbildern. Die erste Fahrt führte uns nach Elgol, wo wir einen kurzen Ausflug an den Loch Scavaig machten, um einen Blick auf die Black Cuillins zu werfen. Eigentlich wollten wir eine kleine Rundwanderung machen, doch der Weg entlang der Küste erwies sich als sehr schmal und stellenweise rutschig, und er fiel zum Teil sehr steil zum Meer hin ab. Das war uns dann doch etwas zu heikel; unnötige Risiken muss man ja nicht unbedingt eingehen.
So kehrten wir zurück auf die A850, fuhren um das Zentralgebirge der Insel herum und schlängelten uns die schmale Straße entlang, die nach Glenbrittle führt, direkt an den Loch Brittle heran. Wir wurden schon sauer: überall an der Straße und auf den wenigen Rastplätzen standen Schilder, die auf ein Übernachtungsverbot hinwiesen. Man müsse den örtlichen Campingplatz nutzen. Wir fuhren die Straße bis zum Ende durch, aber der Platz gefiel uns nicht. Also kehrten wir um und fanden doch noch einen Parkplatz mit schönem Blick auf die Cuillin Hills, den wir als Nachtlager benutzen konnten.
Kaum hatte ich das Wohnmobil verlassen, um den Blick an der frischen Luft genießen zu können, wusste ich, dass das keine gute Idee war: Blitzschnell umschwirrten mich Tausende der winzigen Midges, die bestimmt schon darauf gelauert hatten, dass mal wieder ein Fahrzeug hier anhält. Es war gar nicht so einfach, in das Wohnmobil zurückzukehren, ohne Dutzende dieser Bestien mitzunehmen. Wir fanden sogar noch Viecher an der Decke, als wir bereits im Bett lagen...
Irgendwie war es eine aufregende Nacht. Nein, nicht was Sie denken... Kaum lagen wir in der Koje, hielt direkt hinter uns ein weiteres Fahrzeug. Wir dachten schon, man jagt uns jetzt weg, zum Campingplatz, oder schlimmer, man überfällt uns, so einsam, wie wir hier stehen. Gott sei Dank nichts dergleichen. Scheinbar eine Ewigkeit später - es waren wohl nur ein paar Minuten - war der Wagen wieder weg. Allerdings konnten wir eine Zeitlang erst nicht einschlafen. Bei der Gelegenheit muss ich aber anbringen, dass wir uns bis auf diesen kleinen Schreck eigentlich immer sicher gefühlt haben, egal wo wir übernachtet haben!
Heute wollten wir endlich eine Wanderung durchziehen. In Broadford hatten wir uns zwei dünne Heftchen mit Touren-Vorschlägen gekauft, doch wir wählten einen Weg, den ich im Internet gefunden hatte: Wir wollten zum Coire Lagan hochkraxeln, einem etwas versteckten See in den Cuillins. Unser rollendes Heim stellten wir sicher auf dem Parkplatz vor dem Tor zum Campingplatz ab, der gleichsam das Ende der Straße nach Glenbrittle darstellte. Gut ausgestattet mit Stiefeln, Wanderstöcken und Verpflegung machten wir uns auf den steilen Weg, der hinter den wenigen Bauten des Campingplatzes in die Höhe führte. Auf gut zu begehendem, aber steinigem Pfad ging es einen Bach entlang, bis sich der Weg gabelte. Tja, wo geht man dann her, wenn die Beschreibung interpretiert werden muss? Claudia meinte, wir müssen noch weiter hinauf, also haben wir das auch gemacht. Nach etwas mehr als einer Stunde standen wir vor einer Geröllwüste, die von einer Steinwand überragt wurde. Hier müssen wir noch hoch, fragten wir uns?! In der Wegbeschreibung stand zwar etwas von einem schwierigen Teilstück am Ende, aber dass wir hier klettern mussten, hatten wir nicht erwartet. Die Felswand sah für uns unüberwindlich aus. Wir machten ein, zwei Versuche, einen passablen Weg zu finden, ohne von den teilweise glitschigen Steinen abzurutschen und mitsamt dem Steingeröll in die Tiefe zu rutschen - und ließen es dann bleiben. Stattdessen suchten wir uns einen guten Sitzplatz, sprich einen ziemlich flachen Stein mit Platz für zwei Popos, und vertilgten unser Mittagessen, leckere Vollkornbrote mit heimischem Esrom-Käse von Aldi. Der stinkt unästhetisch, schmeckt aber ziemlich lecker.
Während wir so da saßen und uns stärkten, beobachteten wir voller Be- und Verwunderung einige andere Pärchen, die uns nachfolgten. Teilweise sprangen sie wie die Gemsen über die Felsvorsprünge und hatten ruckzuck einen Weg hinauf gefunden. Wir staunten nur. Sollten wir doch noch einen Versuch wagen? Aber wir schoben den Gedanken beiseite. Der Aufstieg hatte schon länger gedauert als gedacht, und hinter uns lauerten dicke, schwarze Wolken über den Cuillins. Es war ein interessantes Bild: Die Wolken hingen ziemlich tief über den Bergen (wie fast immer) und ragten bis zur Felswand, die uns vermutlich von dem für uns unerreichbaren See trennte. Der Rest des Himmels war nahezu wolkenlos! Wir wären wahrscheinlich im dicken Nebel bzw. in den Ausläufern der Wolken gelandet, hätten wir diese Barriere überwunden.
So machten wir uns an den Heimweg, allerdings auf einer anderen Route. Wir bogen knapp unterhalb des Gerölls nach rechts ab und verloren uns schnell in einer weiten Heidelandschaft. Von einem markierten Weg war nichts mehr zu sehen, und wir mussten uns nach den vereinzelt errichteten Steinhaufen richten, die gerade so in Sichtweite standen. Der Boden war matschig, und diesmal sprangen wir wie die Ziegen über das Feld. Einmal fanden wir die richtige Richtung nur, weil uns Wanderer entgegenkamen und uns so den Weg wiesen. Der Wasserfall Eas Mor war unser Ziel. Mitten auf einer von dicken Kühen bevölkerten Weide fanden wir dann auch den besten Aussichtspunkt auf die Kaskaden, bevor wir zum Parkplatz zurückkehrten. Von dort aus konnten wir erstaunt feststellen, dass die Luftlinie zwischen dem Startpunkt unserer Wanderung und der Stelle, an welcher wir den Hang verließen und wieder auf die Straße gelangten, bestimmt nicht einmal einen Kilometer betrug. Aber irgendwie waren wir ewig unterwegs gewesen. Wir haben ja auch ungefähr 500 Höhenmeter gemacht...
Vor der Wanderung hatte uns im Wohnmobil noch ein Schreck ereilt: Der Strom war plötzlich weg! Nichts ging mehr. War vielleicht die Batterie leer oder eine Sicherung rausgeflogen? Claudia beeindruckte mich dann einmal mehr: Sie studierte die Bedienungsanleitung und den Schaltplan des Elektrosystems und fand heraus, dass es einen sog. "Speiser" gibt, der sich im Schränkchen neben der Spüle befand. Tja, und dessen Schalter war aus; wahrscheinlich hatten wir unser Brotkörbchen draufgestellt. Man musste ja zusehen, wo man die ganzen Klamotten unterbrachte. Das hatten wir schon kunstvoll hingekriegt, so mit den ganzen Töpfen und Pfannen, Tellern und Tassen und der ganzen Verpflegung. Leider konnten wir die Reis-Packung nicht mehr richtig verschließen, und so fanden wir ständig irgendwelche Reiskörner an den überraschendsten Orten im ganzem Fahrzeug.
Uns zog es weiter, zum Dunvegan Castle im Nord-Westen der Isle of Skye, welches wir gegen 17 Uhr erreichten. Unsere Fahrt führte uns dabei nicht nur an den geschichtsträchtigen Macleod's Tables vorbei, sondern auch an Dutzenden von Radfahrern, die irgendwo in der Nähe ihr Nest gehabt haben müssen.
Leider erwies sich das Schloss als hässlicher Betonklotz, so dass wir lediglich einen entspannten Spaziergang in den zugehörigen Gärten unternahmen, die aber durchaus hübsch waren!
Für die Nacht quartierten wir uns auf dem örtlichen Campsite "Kinlochfollart" ein, der direkt an der Bucht lag. Ein zahnloser alter Mann, der selber in einem Wohnwagen zu leben schien, der auch als Rezeption diente, nahm die noch relativ moderaten 9 Pfund 50 entgegen, und meinte, wir können uns einen Platz aussuchen, der uns gefällt. Um beste Sicht auf die hübsche Bucht zu haben, mussten wir unser Fahrzeug auf einem schmalen Grünstreifen neben der gekiesten Fahrspur abstellen und das Stromkabel quer hinüber zum Stromkasten legen. Die Rangiererei, bis wir das Wohnmobil endlich richtig ausgerichtet hatten und halbwegs gerade standen, ohne beim Aufstehen vornüber zu kippen, sollte belohnt werden. Beim Abendessen hatten wir eine tolle Aussicht auf die abendliche, von Ebbe gezeichnete Bucht.
Die sanitären Anlagen waren ganz ok, und am nächsten Morgen gönnten wir uns nach dem Duschen ein stärkendes Frühstück mit Rührei und anderen Leckereien. Wir nutzten die Gelegenheit auf dem Campingplatz, um zu "Dumpen", also unseren flüssigen und verflüssigten Ballast zu entleeren, und den Wassertank nachzufüllen, bevor wir zum Einkaufen in den Ort fuhren. Eine Empfehlung ist die Bakery im südlichen Teil des Orts-"Zentrums" - die Scones mit Käse waren eine Wucht, und es gab sogar halbwegs dunkles Brot! Die "Craft"-Geschäfte enttäuschten uns dagegen eher.
Schnell waren wir in Portree, dem kleinen Fischerort, der die Hauptstadt der Insel darstellt. Wir parkten unser Wohnmobil direkt an der Bucht, und unser erster Gang führte uns sogleich zu den öffentlichen Toiletten (Menschenskinder, was hatten wir immer einen Druck auf der Blase! Das konnte nur am morgendlichen Brennesseltee gelegen haben...). Doch wo waren die nur? Auf der Suche durchstreiften wir den kleinen Ort, stöberten etwas in den kleinen Läden, bis wir dann schließlich fündig wurden: direkt gegenüber dem Treppenaufgang vom Parkplatz befanden sich die Toiletten! Kaum zu glauben, dass wir die vorher nicht gesehen hatten! Da Portree nicht sooo spannend war, machten wir uns auf den Weg zum Old Man of Storr, den wir am Nachmittag erreichen wollten. Ich wollte nicht zu früh hinaufwandern, um mehr von dem schöneren Licht am späten Nachmittag zu erleben. Die angeblich so mystische Atmosphäre rund um den berühmten Felsen musste dann einfach atemberaubend sein!
Um 14 Uhr schon erreichten wir die Felsformationen, eine der größten Attraktionen der Isle of Skye. An dem überfüllten Parkplatz merkte man schon, dass hier ein besonderer Anziehungspunkt sein musste. Da sonst kein anderer Parkraum zur Verfügung stand, blieben wir einfach direkt am Straßenrand stehen, in nächster Nähe zum Startpunkt des Wanderweges, der durch dichten Nadelwald hinauf zu dem markanten Stück Stein führte. Einige Scones, mit unserem allseits geliebten Nutella bestrichen (eine äußerst leckere Kombination!), sorgten für unsere Stärkung, bevor wir um 15 Uhr 20 bei herrlichstem Wetter aufbrachen, den "alten Mann" zu besuchen. Es war wunderbar sonnig, recht warm, und der Weg war bequem begehbar, für die Allgemeinheit geschaffen. So waren wir dann auch nicht alleine unterwegs; eine wahrhaftige Karawane trieb es den Berg hinauf. Aber die Mühsal wurde belohnt! Inmitten riesiger Felsbrocken stand unterhalb einer gigantischen Felswand die berühmte Nadel, ragte in den nun leicht bewölkten Himmel hinauf. Einige Kletterer versuchten sich an einer Besteigung. Wir umrundeten den Felsen und stiegen noch weiter hinauf bis zu einem Grat, von dem aus man eine wunderbare Sicht Richtung Norden hatte. Eigentlich wollten wir noch hinter dem Old Man of Storr ein Stück die Felswand entlang wandern, durch das Labyrinth der wie hingeworfen wirkenden Steinbrocken hindurch, um an der anderen Seite des Nadelwäldchens wieder auf die Straße hinunter zu gelangen, doch mittlerweile hatte sich die Wolkendichte erhöht, und es sah nach Regen aus. So kehrten wir schließlich auf demselben Weg zurück.
Einen nächtlichen Stellplatz, ein einigermaßen ebenes Stück auf einem Rastplatz, fanden wir dann ein ganzes Stück die A855 weiter Richtung Norden, einige Hundert Meter vor dem Loch Langaig. Die Gegend war eine gute Ausgangsposition für unsere weiteren Vorhaben, denn das Quiraing war nicht weit!
Am Sonntag, den 26.8. wollten wir dann eine ausführliche Wanderung entlang der drei markanten Felsgebilde unternehmen, die man am Quiraing findet: das Prison, die Needle und den Table. Bester Startpunkt sollte der Parkplatz oben auf dem Grat der Straße sein, welche am Quiraing vorbeiführt. Aber auch hier ereilte uns das gleiche Schicksal wie tags zuvor: Hoffnungslos überfüllt präsentierte sich uns dieses einsame Stück asphaltierten Platzes. So mussten wir einen halben Kilometer weiter eine Ausweichbucht, eine sog. "Passing Bay", zweckentfremden, die genug Platz ließ für ein weiteres Fahrzeug.
Da es am Morgen bereits geregnet hatte, zogen wir unsere Regenhosen lieber gleich über. Voll bepackt mit Foto- und Wanderausrüstung marschierten wir los. Bereits nach wenigen hundert Metern erreichten wir eine Stelle, die nur durch eine kurze Kletterei überwunden werden konnte. Da uns aber Dutzende von Leuten, z.T. auch in Turnschuhen entgegen gekommen waren, ließen wir uns davon nicht beeindrucken und überwanden diesen Engpaß. Schon wenige Minuten später konnten wir das erste der berühmten Felsgebilde, das "Prison", erkennen. Es sah aus wie ein kleines Häuschen mit Schornstein, das etwas schief und geheimnisvoll dastand. Ob die Gefängnisse früher so ausgesehen haben? Oder woher der Name?
Plötzlich jedoch verschwand der kuriose Felsen hinter einem Regenschleier aus Regentropfen - der erste Regenguß auf dieser Tour! Und was für einer! Nirgends konnten wir Deckung finden; es gab keinen Baum, keinen Strauch zum Unterstellen. Auf dem bisher gut begehbaren Weg sammelten sich schnell kleine Rinnsale und Pfützen und sorgten für einen matschigen Untergrund. Wir hockten uns etwas in den Windschatten eines großen Felsens, was aber nicht viel Schutz brachte. Bereits nach zehn Minuten kapitulierten Claudias Jacke und meine Regenhose - das lag wohl daran, dass ich beide Kleidungsstücke vorher mit normalem und nicht mit GoreTex-Spezial-Waschmittel gewaschen habe - das hat die Sympatex-Membran verstopft. Zum Glück versiegte der Strom vom Himmel nach etwa weiteren fünf Minuten - bevor wir uns zum Umkehren entschließen konnten.
Wir umrundeten das Gefängnis und marschierten weiter auf dem schmalen Pfad. Teilweise führte der Weg über einen recht steilen Hang und unterhalb hoher Felswände entlang - leider entdeckten wir keinen Hinweis auf "The Needle" und "The Table", die beiden anderen Felsattraktionen auf dieser Wanderung.
Kurz bevor der Pfad sich die Felsen hinaufschlängelte und an einem kleinen See vorbeiführte, überraschten uns Myriaden von Midges! Das fehlte noch! Plötzlich war die Luft um uns herum beinahe schwarz, ein riesiger Schwarm umgab uns. Die Viecher krochen in Nase und Mund, so dass wir kaum noch atmen konnten! Claudia bekam schon Würgereiz und band sich ihr Halstuch vor den Mund. Unglaublich, wie wehrlos wir uns fühlten. Während wir die scheinbar allgegenwärtigen Biester abzuwehren versuchten, holten wir das Spray hervor, das wir in Edinburgh in einem Outdoorgeschäft gekauft hatten, und sprühten uns die freien Körperstellen (hauptsächlich Gesicht und Hände) damit ein. Ah, das Zeug schmeckte widerlich und brannte in den Augen! Wenigstens bissen die Viecher dann nicht mehr, sondern ertranken wohl in dem Flüssigspray und klebten überall auf der Haut fest! Erst als wir nach einigen Dutzend Metern an einem Pärchen mit zwei kleinen Kindern vorbeikamen, die kurz Pause machten, wurden wir die Wolke aus insektoiden Nervensägen los. Natürlich fingen dann die Kinder an zu schreien, aber was sollten wir machen...?!
Tja, auf einmal standen wir oben auf dem Grat und hatten nichts von Needle und Table gesehen - merkwürdig. Claudia weigerte sich, denselben Weg zurückzugehen und sich noch einmal durch die Midgewolke zu schlagen (was mir nur recht war), also blieb uns nichts anderes übrig, als die Rundwanderung als eine solche fortzuführen.
Der Weg über den flachen Rücken des Quiraing erwies sich als recht problemlos. Und von oben erkannten wir dann auch sofort den Table - versteckt inmitten der hohen Felswände, an denen wir vorbeimarschiert waren. Beeindruckend, der Irrgarten aus Trampelpfaden und grasbedeckten Flächen! Natürlich überraschte uns hier ein weiterer Regenguß, der allerdings von noch kürzerer Dauer war als der erste. Als er vorüber war, herrschte sofort wieder blauer Himmel! Das ist es wohl, was man auf Skye mit "five seasons a day" meint...
Der Abstieg erwies sich auf dem doch recht schlammigen Untergrund dann als nicht mehr so trivial - wir mussten oft den Weg verlassen und über das Heidegras unseren eigenen Pfad suchen. Recht erschöpft erreichten wir um halb fünf unser Wohnmobil, fuhren ein Stück weiter, bis wir einen neuen Stellplatz fanden, wo wir in Ruhe ein Päuschen machen konnten, und duschten erst einmal. Das ging zwar in unserem fahrbaren Hotel ganz gut (der Frischwassertank reichte durchaus für drei bis vier Tage inklusive einmal Duschen), allerdings mussten wir das Wasser stets erst über einen Schalter etwa fünfzehn Minuten lang aufwärmen. Aus irgendeinem Grund klappte das aber diesmal nicht, und so mussten wir uns mit kaltem Wasser begnügen. Ein warmer Kaffee wärmte uns dann erst einmal so richtig durch...
Ein wunderschönes Abendrot verabschiedete uns dann während unserer Fahrt zurück auf das Festland. Um Viertel vor neun schlugen wir schließlich unser Nachtlager in einer Parkbucht hoch über dem kleinen Örtchen Kirkton auf, mit einem schönen Blick hinüber nach Skye, wo wir schöne Tage verbracht hatten.
















