Verregnete Tage in den Highlands

Überraschendes Örtchen Gairloch

Nun waren Wester Ross, das Glen Torridon und die Letterewe Wilderness unsere nächsten Stationen. Während unseres Frühstücks um 9 Uhr morgens herrschte plötzlich Rush Hour in "unserer" Parkbucht.

Zahlreiche Busse und Autos hielten, entließen ihre menschliche Ladung, die daraufhin auch um unser Fahrzeug herumschlich, um den Blick auf Skye zu genießen.

Auf einer Single Track Road (auf der uns ständig Fahrzeuge entgegenkamen) erreichten wir das alpine Glen Torridon. Nach einem kurzen Stop bei dem Tourist Info Centre (wenn man die kleine Hütte so hochtrabend bezeichnen will) in dem gleichnamigen kleinen Örtchen entschieden wir uns für die Weiterfahrt zum Loch Maree, wo die Letterewe Wilderness beginnt.

In Kinlochewe ereilte uns beim Tanken dann ein kleiner Schock: 85,9 Cent sollten wir für einen Liter Diesel zahlen! Und das war immer noch billiger als Normalbenzin...

Während einer kurzen Pause am malerisch gelegenen, von zwei Bergketten eingerahmten See konnten wir gegen halb vier noch bei schönem Wetter unser Mittagessen(!) genießen. Da wir noch Informationen in einem örtlichen Info Centre einholen wollten, schlugen wir unser Nachtlager kurz hinter Gairloch auf, wiederum in einer einsamen Parkbucht hoch über der Westküste.

Am nächsten Vormittag steuerten wir das Tourist Info Centre (dieses hatte seinen Namen auch verdient!) in Gairloch, einem netten, kleinen Örtchen, an. Das Wetter hatte sich sehr verschlechtert, und es regnete unaufhörlich. Wir erkundigten uns nach den Aussichten und möglichen Wanderungen. Die Frau in dem Zentrum war sehr hilfsbereit, konnte uns aber bei der Planung von Wanderungen nicht sehr behilflich sein. Immerhin schlug sie vor, wir sollten bei dem Wetter doch den Leuchtturm, das Rua Reidh Lighthouse, besuchen, am Ende der Landzunge, auf der Gairloch liegt, etwa 16 km weiter. Dienstags und Donnerstags wäre dieser immer als Tearoom mit "Homebaked Cake" geöffnet. Das wollten wir dann auch tun, allerdings nicht ohne uns vorher noch etwas in Gairloch umzuschauen. Wir fuhren die Straße weiter und fanden schnell einige interessante Geschäfte: Zunächst gab es einen Tante Emma-Laden, der von der Zahnbürste bis zum Kaffeeservice scheinbar alles führte, was man sich vorstellen konnte. Selbst wir wurden dort fündig und gönnten uns zwei warme plzfelmützchen, die uns bei dem kalten und regnerischen Wetter gut gelegen kamen.

Gegenüber des Lädchens befand sich ein "Nature Shop" mit allerlei Indianer-Utensilien und schwerem Weihrauchduft in der Luft. Genau daneben und sogar durch einen Durchgang vom Nature Shop aus erreichbar lag das Mountain Restaurant, das eine wirkliche Empfehlung ist. Da bereits Mittagszeit vorüber war, gönnten wir uns die leckere Soup of the Day, die "Veggie Soup" mit Cheese Rolls (dickes, saftiges Brot mit eingebackenem Cheddarkäse) sowie einem großen Rocky Mountain Latte.

Gestärkt und mit unseren neuen Mützchen gut behütet steuerten wir dann bald unser Wohnmobil über eine sehr abenteuerliche Straße zum Leuchtturm. Zum einen war sie nur einspurig und sehr wellig, so dass wir manchmal Angst hatten, auf dem Asphalt aufzusetzen, und zum anderen führte sie über einige schmale Brücken, von denen wir nicht sicher waren, ob sie unser Gefährt halten würden. Aber schließlich ist der Leuchtturm ja auch irgendwie gebaut worden... Also Augen zu und durch.

Eine 270-Grad-Kehre führte schließlich zum Leuchtturm hinunter, dessen Parkplatz total überfüllt war. Wir fanden gerade noch ein Plätzchen, wo wir einigermaßen gut rückwärts einparken konnten, ohne halb auf der schmalen Straße zu stehen. Nur - wie kamen wir hier wieder raus? Egal, erst einmal wollten wir Kaffee trinken und ein Stück Kuchen essen.

Den kleinen Tearoom fanden wir dann auch ziemlich voll vor. Für uns war gerade noch an einem Eckchen ein Platz frei. Wie sich herausstellte, waren unsere Tischnachbarn waschechte Bayern mit entsprechendem Dialekt; ich glaube, wir verstanden sie schlechter als die Schotten mit ihrem zum Teil kehligen Englisch...

Offensichtlich war der Tearoom Teil der Wohnung im Erdgeschoss des Leuchtturms; nach Ankunft weiterer Gäste diente das Wohnzimmer schnell als Erweiterung, und als Gast musste (oder durfte) man durch den Flur auf die Toilette des Hauses. Recht urig, das ganze!

Nach einer halben Stunde wagten wir kurz vor fünf den Versuch, unser Gefährt von dem Parkplatz auf die Straße zurückzubekommen. Wie sich schnell herausstellte, funktionierte dies nur, indem wir zunächst ein Stück rückwärts den Hang hinauf- und in die 270-Grad-Kehre hinein fuhren. Anschließend konnten wir weiter vorwärts fahren. Zu dieser Erkenntnis zu gelangen hatte jedoch einige Minuten gedauert und etwas Kurbelei gebraucht.

Für den Abend mieteten wir einen Stellplatz auf dem nächstgelegenen Campingplatz diesseits von Gairloch, dem Sands Holiday Centre. Wir mussten unser Gefährt auch mal etwas von innen säubern und vor allem Wäsche waschen, was gut zu der Waschküche passte, die das Wetter uns präsentierte. Mehrere Gänge zur Waschmaschine und zu den Trocknern waren nötig (ganz schön windig, feucht und kalt war es an dem Abend!), bis wir wieder frische (und auch trockene) Wäsche hatten. Wenn ich beim Schleppen unseres Wäschesacks Claudias rotes Mützchen getragen hätte, wäre ich glatt als Weihnachtsmann durchgegangen... In den nur mäßig trocknenden Trocknern (die liefen ja auch immer nur zehn Minuten!) verlor die nasse Kleidung nur sehr langsam ihre Feuchtigkeit, so dass mein letzter Gang zum Waschraum erst um 23 Uhr stattfand!

Der nächste Tag war Mittwoch, der 28.8., und es herrschte wahrhaft ein Sauwetter. An eine Wandertour mit Rucksack und Zelt in der Letterewe Wilderness wollten wir nicht denken. Erst um Viertel nach eins, nachdem wir wieder einmal gedumpt hatten (was diesmal gar nicht so einfach war, weil es keinen vernünftigen Gulli gab, über den man mit dem Wohnmobil hätte drüber fahren können), fuhren wir Richtung Norden. Bei Tollie überlegten wir kurz, ob wir nicht doch einen Gang Richtung Loch Maree machen sollten, aber als Antwort fing es wieder heftiger an zu schütten. Also setzten wir unsere Fahrt die Westküste entlang fort. An hübschen Sandstränden und bunten Steinformationen vorbei erreichten wir um 17 Uhr das unspektakuläre Ullapool. Hier frischten wir im örtlichen Safeway unsere Vorräte auf, bummelten kurz durch die Straßen (in einem Outdoor-Shop habe ich mir ein schönes Buch über den Cape Wrath Trail gekauft, eine Fortsetzung des West Highland Ways bis ganz in den Norden Schottlands!) und nahmen eine fettige Portion Fish&Chips zu uns. Tipp: Nie beim erstbesten Imbiss kaufen! Dieser gehörte zu einem Pub, und um die Ecke gab es einen weiteren Imbiss, der einen besseren Eindruck machte!

Unser Nachtlager schlugen wir außerhalb des Ortes auf einem Wanderparkplatz auf; hier flogen selbst in dem ständigen Regen die Midges um uns herum!

Am nächsten Tag machten wir uns auf den Weg Richtung Inverness. Bei den Black Water Falls legten wir einen kurzen Stopp ein; das Wasser hier war wirklich fast schwarz! Das auffälligste war aber, dass die Toiletten 1998 offensichtlich einen echten Award gewonnen hatten. Ein Besucher hatte dies mit dem Spruch "Klo der Spitzenklasse, fluffig im Abgang, handwarmes Händewaschwasser" kommentiert. Ihr merkt schon: Wir hatten es echt mit den Klos in Schottland...

In einem Heftchen hatte Claudia von einem sog. Targemaker gelesen, der in einem Vorort von Inverness Schilde nach Vorbild der alten Kelten herstellt. Leider war sein kleiner Laden gerade geschlossen, als wir dort ankamen. Solch ein "Targe" wäre sicherlich ein nettes Mitbringsel gewesen. Nun ja, man könnte es auch über das Internet bestellen (www.targemaker.com).

Inverness ist schon ein recht großes Städtchen, mit dem üblichen Problem: Wo parken wir nur? In ein Parkhaus konnten wir mit dem Wohnmobil nicht. Da bot sich der Parkplatz des nahe dem Zentrum gelegenen Safeway-Supermarktes an. Allerdings stockte uns der Atem, als wir die Preise auf dem Schild neben der Schranke lasen: 5 Pfund pro Stunde! Und dann gab es noch diverse Rabatte, wenn man soundsoviel Pfund bei einem Einkauf ausgegeben hatte. Egal jetzt, frei nach dem Motto "Was kost' der Rotz!" stellten wir unser Gefährt hier ab.

Schuhgeschäft in Inverness

Inverness - Tor zu den Highlands

Inverness Castle

Kann man mit Dudelsackpfeifen Geld verdienen

Während wir durch die Stadt bummelten, ließ ich es mir dann natürlich nicht nehmen, ständig vor mich hin zu murmeln, was wir alles mit den 5 Pfund (das waren ja immerhin über 15 D-Mark!) hätten anfangen können, die wir jetzt pro Stunde zu zahlen hatten! Lange hielten wir es dann auch nicht aus; wir streunten etwas durch die Fußgängerzone, am Fluss entlang, machten einen kurzen Abstecher in das Tourist Info Centre und zur Burg und lauschten Dudelsackklängen eines Straßenmusikanten. Immerhin spielte das Wetter jetzt wieder mit. Aber wir waren ja auch nicht mehr im landschaftlich spektakuläreren Westen des Landes...

Schließlich kauften wir noch einige Utensilien im Safeway ein, gerade so viel, dass wir über die magische Grenze von 10 Pfund kamen, bei der wir 3 Stunden frei parken konnten - glaubten wir. Eine Minute vor Ablauf dieser drei Stunden fuhren wir dann am Kassenhäuschen vor und wurden belehrt, dass es 15 Pfund hätten sein müssen. Dennoch mussten wir nur 1 (in Worten: ein) Pfund bezahlen... Wir verstanden das ganze Preissystem nun gar nicht mehr...

Es fing wieder an zu regnen, und wir verließen Inverness Richtung Osten: Cawdor Castle war unser Ziel. Dieses Schloss liegt etwas abseits der Hauptstraßen. So erreichten wir es leider erst um 19 Uhr, als es schon geschlossen war. Also suchten wir uns in der Nähe einen geeigneten Platz für unser Gefährt. Und das war gar nicht so einfach. Parkbuchten oder dergleichen waren Mangelware, waren eigentlich gar nicht vorhanden. Schließlich wurden wir am Rande des Dörfchens Piperhill, wenige Kilometer entfernt, fündig: Vor einem Gatter, welches ein ungemähtes Feld absperrte, war die Einfahrt groß genug für unser Wohnmobil. Obwohl mehrere Anwohner mit ihren Hunden in dem nahe gelegenen Wald Gassi gingen, störte sich niemand an uns.

Am nächsten Morgen stellte sich heraus, dass dieser unscheinbare Waldweg, an dem wir standen, offensichtlich die Route für die Busverbindung zum nächsten Ort war, denn mehrere dieser Vehikel fuhren an uns vorbei. Um 11 Uhr erreichten wir das Cawdor Castle, das bereits von einigen Busladungen Menschen überflutet war. Wir beschränkten uns hier auf den Anblick des hübschen Schlosses von außen und den Besuch der wirklich sehenswerten Gärten.

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Schottland

Unterwegs im Land
der Lochs und Highlands