Kleine Schlössertour an der Ostküste

Dunnottar Castle und Gesellen

Auf dem Weg Richtung Ostküste, wo das Dunnottar Castle unser Ziel war, besuchten wir das von außen nicht sonderlich durch Schönheit bestechende Braemar Castle vor den Toren des Ortes.

Wir gaben uns einen Ruck, besichtigten auch die Räumlichkeiten und waren angenehm überrascht. Das Schloss war recht hübsch und interessant eingerichtet; ein kurzer Besuch lohnt sich durchaus. In einigen Räumen fielen uns kleine Teddies auf, die mal in einem Reitstiefel steckten, mal auf einem Sessel saßen. Das sei für die Kinder; sie sollten die Bären suchen, damit sie aufmerksamer durch die Räume gingen, erklärte man uns daraufhin.

Craigievar Castle erreichten wir erst nach 17 Uhr, bei heftigem Regen. Das turmähnliche Gebäude gefiel uns nicht besonders. Wir fuhren gleich weiter zum Castle Fraser, das von großzügigen Rasenflächen umgeben richtig herrschaftlich und schon eher wie ein echtes Schloss wirkte. Wir gönnten uns einen kleinen Rundgang um das Schloss, während dessen sogar die Sonne hin und wieder durch die dicke Wolkendecke blickte. Besonders die Türme hatten es uns angetan. Wenn man sie genau betrachtete, erkannte man, dass sie mit ihren runden Fenstern und spitzen Dächern wie Gesichter aussahen, düstere Gesichter wohlgemerkt, die wohl der Abschreckung dienen sollten. So hatten wir uns ein schottisches Schloss vorgestellt.

Auf der Weiterfahrt zum Dunnottar Castle an der Ostküste verpassten wie vor Aberdeen die entsprechende Abfahrt, so dass wir die ganze Stadt durchqueren mussten. Wir verirrten uns etwas, als wir den richtigen Weg suchten. Dieser Umweg hatte aber auch sein Gutes; es sah so aus, als könne sich ein kurzer Besuch in der Stadt durchaus lohnen. Da ich aber unbedingt einige Fotos vom Dunnottar Castle machen wollte, fuhren wir erst weiter Richtung Stonehaven. Hinter dem Ort, nicht weit von der Autobahnabfahrt, fanden wir das Schloss. Es war nicht gleich zu erkennen, zumal es noch etwa zweihundert Meter von der Straße entfernt direkt an der Küste liegt. Wir parkten auf dem kleinen Besucherparkplatz. Obwohl es bereits dunkel wurde, trabte ich noch einmal los, um einige Aufnahmen zu machen. Am Beginn des Fußweges war zum ersten mal während unseres Aufenthaltes etwas von den Ängsten der Bevölkerung bzgl. der Maul- und Klauenseuche zu spüren. Da in der Nähe des Schlosses auch Schafe weideten, hatte man eine Wanne mit Desinfektionsmittel aufgestellt, die man durchschreiten mußte, bevor man auf den Weg gelangte.

Dunnottar Castle

Dunnottar Castle

Dunnottar Castle

Dunnottar Castle

Dunnottar Castle, so wie es auf dem einsamen Felsen thront, ist schon ein beeindruckender Anblick. Hoch über den Meeresbrandungen ist es nur über einen schmalen Weg erreichbar. Früher uneinnehmbar, wird es nun tagtäglich von Touristen besichtigt.

Ich marschierte an den zahlreichen Schafen vorbei rechts um das Schloss herum und machte einige Aufnahmen im mageren Abendlicht, bevor ich zu Claudia und dem Abendessen in unser Wohnmobil zurückkehrte. Wir hatten einen Gast, stellte ich überrascht fest. Zunächst dachte ich, da beschwert sich ein Anwohner darüber, dass wir uns auf dem Parkplatz für die Nacht einrichten wollten, aber dann stellte sich der Besucher als Urlauber aus Konstanz vor, der sich nur einmal wieder in deutsch unterhalten wollte. Er war mit seiner Oma unterwegs, um der alten Dame einen Lebenstraum zu erfüllen...

Am nächsten Morgen war ich früh auf; ich durfte auf keinen Fall den Sonnenaufgang verpassen. Um 6 Uhr klingelte der Wecker, aber der Himmel war wolkenverhangen und die Sonne nicht einmal zu erahnen, geschweige denn die Stelle am Meereshorizont, an der sie aufgehen würde. So legte ich mich noch einmal in die warme Koje. Um 7 Uhr 30 blickte ich wieder hinaus und erspähte etwas Sonnenlicht. Daraufhin packte ich dann doch meine Fototasche und stiefelte an die frische Luft. Allerdings lohnte es sich kaum, die Ausbeute war ziemlich gering. Um Viertel nach acht war ich rechtzeitig zum Frühstück wieder zurück; der Kaffee tat gut bei der kalten Morgenluft...

Natürlich wollten wir die Ruinen des denkwürdigen Schlosses auch von innen besichtigen. Gegen halb elf betraten wir die engen Treppenaufgänge zwischen den groben Gemäuern und erhaschten einen Einblick in die vergangene Lebensweise; schließlich war Dunnottar Castle lange Zeit ein autarkes Dorf!

Wir beschlossen, den Rest des Tages in Aberdeen zu verbringen, das uns bei der Irrfahrt auf dem Weg hierher recht interessant erschienen war. Schnell durchquerten wir das kleine Städtchen Stonehaven, das recht hübsch direkt an der Küste liegt, und erreichten um halb eins die schottische Hafenstadt, die auf Spruchbändern mit dem Titel "Ölhauptstadt Europas" prahlte.

Anhand des stilisierten Stadtplanes in einem Reiseführer versuchten wir die schönen Ecken der Stadt zu besichtigen. Die vielfach erwähnte Old Town fanden wir nach dem Plan aber überhaupt nicht, oder wir fanden sie einfach nicht schön! Die gepriesene King Street z.B. wirkte auf uns katastrophal unästhetisch; sie hatte wirklich nichts Schönes an sich, und wir entdeckten dort auch nichts Interessantes! Auf dem Weg zur Neustadt nahmen wir im "Illicit Still", einem recht hübsch aufgemachten Pub eine gute, fischhaltige Mahlzeit zu uns, bevor wir etwas durch die New Town mit den Galerien und Fußgängerzonen bummelten. Zum Abschluss gönnten wir uns im Starbucks Coffee zwei leckere Lattes und superschwere Espresso Brownies (wie man so viel Schokolade auf so kleinem Raum zusammenquetschen kann, wird für uns immer ein Rätsel bleiben).

Mittlerweile waren die Wolken am Himmel verschwunden, über uns war nur herrliches Blau zu sehen. Also beschlossen wir, Dunnottar Castle noch einen Besuch abzustatten. Vielleicht konnte ich wenigstens im Abendlicht einige schöne Aufnahmen machen.

Claudia entließ mich gegen halb sechs direkt hinter Stonehaven aus dem Wohnmobil. Ich schnappte meine Fotoausrüstung und marschierte über einen schmalen Küstenpfad die etwa eineinhalb Kilometer zu Fuß Richtung Schloß. Die Sonne strahlte ihr herrlichstes Abendrot auf die alten Mauern. Der Weg führte an einem alten Kriegsdenkmal vorbei, das sich in dem schräg einfallenden Licht ebenfalls sehr fotogen zeigte. Ich überquerte ein Maisfeld und musste einige Schafe beiseite scheuchen, bevor ich Dunnottar Castle so gerade eben noch vor Sonnenuntergang erreichte.

Nach dem schönen Abend dachte ich mir, vielleicht wartet der Morgen danach ja auch noch mit solch herrlichem Wetter auf, und ich komme doch noch zu meinen Sonnenaufgangsfotos. Aber nein: am nächsten Morgen blickte ich um halb sechs erneut in einen verhangenen, freudlosen Himmel. Während wir unser letztes Frühstück auf schottischem Boden zu uns nahmen (wir mussten ja so langsam wieder Richtung Süden, nach Harwich, aufbrechen), entließ ein deutscher Reisebus aus Herford seine Menschenmassen auf den asphaltierten Fußweg zum Schloss. Wie um mich zu ärgern, kam die Sonne nun doch noch hinter den Wolken hervor, so dass es angenehm warm wurde. Bevor wir uns nach dem Süden aufmachten, brachten wir in Stonehaven einige Ansichtskarten zur Post und gönnten uns in einer Bäckerei noch einige der verlockenden Leckereien.

Ein letzter Abstecher führte uns zum Glamis Castle, einem herrlich in einem riesigen Parkgelänge gelegenen Schloss, das diese Bezeichnung auch wirklich verdient. Zugegeben, es war sehr touristisch aufgemacht, und allein der Parkplatz und die Möglichkeit, die Gärten zu besuchen, hat uns pro Person schon 3 Pfund gekostet! Aber der zweistündige Spaziergang bei schönstem Sonnenschein, der uns durch die gepflegten Blumengärten und an Wiesen mit schwerfälligen Galloway-Rindern vorbeiführte, machte den Preis wieder wett. Lediglich die "Walled Gardens" waren ein Witz. Auffällig auf dem Schlossgelände waren die zahlreichen Wannen mit Desinfektionsmittel, durch die man allenthalben stiefeln musste. Selbst in der Einfahrt des Schlossgeländes lagen solche Wannen, die wir mit unserem Gefährt erst einmal durchqueren mussten.

Nach einem ausführlichen Picknick auf der schlosseigenen Wiese brachen wir endgültig Richtung Heimat auf. Der lange Weg führte uns durch Perth hindurch und über die Forth-Bridges bei Edinburgh hinweg. Erstaunlicherweise brauchten wir für die Überquerung der Brücke nichts zu bezahlen! Entweder hatte sich die Brücke inzwischen amortisiert, so dass die Benutzung kostenlos ist, oder man muss nur von Süden kommend den entsprechenden Obulus zahlen...

Auf der A68 hatten wir dann mächtig Spaß. Die Straße war derart hügelig, dass das Befahren einer Achterbahntour ähnelte. Zahlreiche Buckel waren mit Schildern bestückt, die auf einen "Blind Summit" hindeuteten. Man sah wirklich nicht, was dahinter auf einen zukam. Es war schon recht abenteuerlich, aber auch witzig.

Ein Nachtlager fanden wir etwas abseits der Bundesstraße in der Nähe des altehrwürdigen Hadrianswall auf einem kleinen Rastplatz. Passenderweise führte der nahegelegene Ort den Namen "Wall". Zu unserem Schreck gesellte sich nach Einbruch der Dunkelheit ein riesiger Truck zu uns, allerdings entgegen unserer Fahrtrichtung. Dabei war der Rastplatz so schmal, dass wir Bedenken hatten, ob der Lkw an uns vorbei kommen würde. Wir rechneten schon damit, am nächsten Morgen sehr früh aus unseren Träumen gerissen zu werden...

Unsere Befürchtungen waren unbegründet; um Viertel vor sieben zuckelte der Laster scheinbar problemlos an unserem Gefährt vorbei, und wir konnten uns in Ruhe auf unser Frühstück vorbereiten.

Die weitere Fahrt verlief zum Teil sehr schleppend; es waren Trecker ohne Ende unterwegs, und ein schwer beladener Steinlaster fuhr lange vor uns her und kam dabei kaum vom Fleck.

Am späten Nachmittag erreichten wir East Anglia und die Gegend von Harwich. Wir hatten für den nächsten Morgen eine Überfahrt mit der Katamaran-Fähre nach Hoek van Holland reserviert und suchten uns einen Campingplatz unweit der Stadt. Der erste, den wir anfuhren, der "Stranger Home Inn", bestand lediglich aus einer Wiese und sagte uns nicht zu. Stattdessen fanden wir direkt in Harwich den "Doverport Haven" Campground. Der bestach aber letztlich auch nur durch seinen "günstigen" Preis - da wir die Reservierung der Fähre vorweisen konnten, brauchten wir mit sieben Pfund nur die halbe Miete zahlen. Einen vollen Preis war der Platz auch nicht Wert. Er war hauptsächlich für die ständig installierten Caravans, die zum Teil mit kleinem Vorgarten versehen waren, ausgelegt und weniger für Wohnmobile. Immerhin waren die nicht besonders vorzeigbaren sanitären Anlagen mit einem Zahlenschloss gesichert, für das man fast ein Studium brauchte...

Vor dem Abendessen führte uns ein kurzer Spaziergang hinauf auf den Deich (der Campground lag direkt an der See), doch reizvoll war weder der Weg selbst noch der Blick, der sich uns bot.

Am nächsten Morgen hatten die Angestellten des Campingplatzes echte Probleme, uns zu zeigen, wo wir unser Dreckwasser entleeren konnten. "Near the loids" (oder so, es war kaum zu verstehen) war der Tipp des Pförtners gewesen. Er meinte "lights", wie sich dann herausstellte - immer diese Dialekte! Ich glaube, wir haben die Schotten besser verstanden.

Es war Freitag, der 7. September, und wir nahmen mit einem letzten üppigen Frühstück Abschied von der Insel und insbesondere von Schottland, das ich nun bereits zum dritten mal besucht hatte. Es war sicherlich nicht das letzte mal!

Um kurz vor neun fanden wir nach einer kleinen Irrfahrt durch Harwich dann doch noch rechtzeitig den Fährhafen. Die Überfahrt zurück auf den Kontinent verlief dann etwas aufregender als die Hinfahrt; es war verdammt ungemütlich auf See, und Claudia verbrachte den Großteil der knapp drei Stunden auf der kleinen Aussichtsplattform am Heck des Schiffes. Selbst ich spürte kurz vor Erreichen des Hafens hin und wieder leichte Übelkeit in mir aufsteigen - und das heißt schon was, wo ich doch weitgehend unempfindlich bin, was solche Dinge angeht. Andererseits war es recht lustig anzuschauen, wie einige Leute kreidebleich in den Toiletten verschwanden und ebenso kreidebleich wieder herauskamen, oder wie bei der wackeligen Fahrt die Leute durch die Gänge torkelten...

Nach dem Ausschiffen gerieten wir prompt in dichtesten Feierabendverkehr auf holländischen Autobahnen, so dass wir erst gegen 20 Uhr wieder in Düsseldorf eintrafen. Eigentlich hatten wir das Wohnmobil noch am selben Abend sauber machen wollen, aber da es schon so spät war, begnügten wir uns mit einem Abendessen bei McDonalds, bevor wir unsere Sachen wieder in die Wohnungen zurückschleppten, aus denen wir sie drei Wochen vorher herausgeholt hatten. Am nächsten Vormittag hieß es dann, das Gefährt zu säubern und nach Leichlingen zurückzubringen.

Es hat uns viel Spaß gemacht, mit dem Wohnmobil durch Schottland zu touren. Wieder einmal hat es sich für mich bestätigt, dass man auf diese Weise einen schönen Urlaub verleben kann, der viel Freiheiten lässt, aber auch einen gewissen Komfort mit sich bringt. Wer weiß, wohin wir als nächstes auf diese Weise verreisen...

Ein weiteres Highlight in Schottland: Wanderung auf dem West Highland Way.
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