Teil 2: Auckland
Nur ein kurzer Aufenthalt
Nachdem wir unsere letzten 80 DM in unsere ersten Neuseeland-Dollar umgetauscht haben, reihen wir uns in die langen Schlangen vor der Passkontrolle ein. Etwa eine halbe Stunde dauert es, bis wir ohne Probleme durchgelassen werden. Nach der Kofferabholung wird es spannender. Vor der Landung mussten wir Einreise-Zettelchen mit einigen Informationen ausfüllen, etwa ob wir Essen und Campingausrüstung einführen. Wir haben ein Zelt angegeben, wonach man uns dann auch prompt fragt: „Wie sauber ist denn das Zelt?“ „Och, ich denke, sehr sauber“, antworte ich, und man lässt uns mit einem „Okay!“ passieren. Das war ja die ganze Aufregung nicht wert, denken wir uns.
In der großen Halle des Flughafens teste ich dann zum ersten mal einen Geldautomaten. In der heimischen Hypovereinsbank sagte man mir nämlich, dass man an den allermeisten „money machines“ mit der EC-Karte Geld holen kann. Reiseschecks braucht man dann nur als letzte Reserve. Und tatsächlich. Intuitiv drücke ich die richtigen Tasten und zapfe problemlos 200 Neuseeland-Dollar. Noch schnell ein paar Informationsbroschüren am Visitor Centre des Flughafens geholt, dann suchen wir uns ein Taxi.
Passenderweise steht ein Bus mit der Aufschrift „Airporter“ am Ausgang der Halle, und tatsächlich, auch unser Hotel, das Copthorne Harbour ort Hotel, fährt er an. Wir bezahlen zwölf Dollar (pro Person!), und er nimmt uns mit.
Der Bus ist schon recht voll, es ist stickig warm hier drinnen, und wir erhalten einen Vorgeschmack des Wetters, was uns zu erwarten scheint. Viele Leute laufen im T-Shirt und in kurzer Hose herum, und die Sonne brennt heftig auf uns herab. Nicht spaßig, denn der Bus kommt nicht richtig in Fahrt, hält mal hier, mal da, der Fahrer steigt aus, redet mit irgendwelchen Leuten in den Hotels, steigt ein, wartet, fährt weiter... Er macht zwar einen recht lustigen Eindruck, aber irgendwie kommen wir nicht recht weiter. Mit einem Taxi wären wir bestimmt schon am Ziel. Endlich sind wir dann in der Innenstadt, und wir kurven durch die belebten Straßen. Eine halbe Stadtrundfahrt machen wir hier mit, bis wir endlich kurz vor ein Uhr am Copthorne Hotel halten, das direkt am Hafen liegt.
Ein unspektakuläres Hotel, das aber für den günstigen Preis akzeptabel ist. Von hier aus hört man wunderbar den Big-Ben-Sound der Uhr im schräg gegenüber liegenden Ferry Building. Aber wir haben jetzt erst mal Hunger. Nach dem Auspacken geht es sofort wieder an die frische Luft, mit den Trekkingjacken um die Hüften gewickelt. Man weiß ja nie, außerdem scheint es recht windig hier in der Innenstadt zu sein. Und es ist bewölkt und sehr schwül.
Tipps
- EC-Karte mitnehmen! Man kann damit bequem an den meisten Geldautomaten Bares abheben!
- Fahrt vom Flughafen aus nicht mit dem Airporter nach Auckland hinein! Nehmt gleich ein Taxi! Ist nur unwesentlich teurer, aber viel schneller und angenehmer!
- Schoko-Muffins essen und Cafe Latte trinken im "Starbucks Coffee" an der Parnell Road in Parnell Village!
- Auf jeden Fall im "Loaded Hog" frühstücken oder einen netten Abend verbringen - oder beides!
- Fahren Sie mit dem Taxi zur Wohnmobil-Abholung, und lassen Sie sich das Entgeld erstatten!
- Vorsicht beim Einkaufen: Einige Supermarkt-Parkplätze werden von Dieben heimgesucht!
Wir machen uns auf Richtung Hafen und finden prompt das in einigen Reiseführern empfohlene „The Loaded Hog“. Das merken wir uns für heute abend vor. Ansonsten gucken wir uns hier nur kurz um und bewundern die Jachten. Wir wollen lieber etwas durch die Innenstadt bummeln und uns einen Eindruck verschaffen. Am Ferry Building vorbei marschieren wir in die Queen Street hinein. Die Einkaufspassagen sind hier ehrlich gesagt nicht besonders spektakulär, interessanter sind für uns momentan die zahlreichen Sandwichbuden, wo wir uns das eine oder andere belegte Brot gönnen.
Es heißt ja, man soll sich am ersten Tag zwecks Akklimatisierung richtig müde laufen, und das tun wir auch. Durch den hübschen kleinen Albert Park mit seinen Bäumen und Skulpturen geht es zu Fuß weiter Richtung Parnell Village, einem Stadtteil mit alten Häusern im viktorianischen Stil, die zum Teil recht ansehnlich sind. Leider ist der Marsch die Parnell Road hoch recht anstrengend. Zudem setzt plötzlich leichter Nieselregen ein. Aber was finden wir hier zu unserer Rettung: „Starbucks Coffee“, ein Café der Kette, die wir damals in Kanada kennen- und schätzen gelernt haben! Wir genehmigen uns zur Stärkung einen Latte und einen dicken Muffin. Mmh, lecker. Und sehr gemütlich, das Café, so mit alten bequemen Sesseln statt High-Tech-Sitzschalen...
Durch die Auckland Domain, einem städtischen Park mit Wintergärten und dem Kriegsmuseum, geht es wieder bergab in die Innenstadt Richtung Hotel, wo wir dann tatsächlich sehr müde ankommen. Wir könnten uns eigentlich so hinlegen und einpennen. Aber nein, wir müssen erst noch ins „Loaded Hog“. Also los. Und tatsächlich - das hat sich gelohnt. Echt ein toller Pub, interessant eingerichtet, mit Fahrrädern an der Wand und so. Ein DJ-Pult in einer Ecke und eine Leinwand verleihen dem Interieur etwas multimediamäßiges. Wir begeben uns auf die obere Ebene, und ich bestelle an der Bar zwei der berühmten selbstgebrauten Biere. Da es mehrere Sorten gibt, und ich nicht weiß, was ich nehmen soll, darf ich eines probieren, von dem ich dann auch zwei Pints nehme. Im Erdgeschoss bestelle ich uns noch was zu Essen: einen Riesenteller überbackene Nachos, den wir kaum aufkriegen. So gesättigt und abgefüllt mit dem leckeren dunklen Ale fallen wir um 21 Uhr todmüde in die Hotelkissen. Das war wirklich der längste Tag, den wir bisher erlebt haben...
Um 7 Uhr 30 wache ich am nächsten Morgen auf und erinnere mich schwach an derben Lärm in der Nacht. Quietschende Reifen auf der breiten Straße vor dem Hotel haben mich schon einmal aus dem Reich der Südseeträume geholt. Die nächsten Träume gelten einem deftigen Frühstück. Im Hotel bekommen wir das jedenfalls nicht, war nicht im Preis inbegriffen. Aber wir haben uns schon gestern abend vorgenommen, für eine kräftige Morgenstärkung wieder in das „Hog“ zu gehen. Um 9 Uhr bestellen wir uns dann auch dort zwei große Bowls Latte (wird bestimmt unser Lieblingsgetränk hier - normaler Kaffee ist doch out!) und zwei Teller mit Frühstück im englischen Stil: Eier, Pilze, Schinken und dergleichen tummeln sich da und munden uns ganz hervorragend. Leider fängt es während unseres Speisens heftigst zu regnen an, und wir sprinten zum Hotel zurück. Heute morgen haben wir nur einen Pullover übergezogen und unseren Allwetterjacken eine Pause gegönnt. Tja, ein Fehler. In Zukunft werden wir sie immer dabei haben.
Aber wir werden nicht allzu nass, denn es ist ja nicht so weit. Um 10 Uhr lassen wir uns ein Taxi kommen, das uns zum Maui-Büro bringt, wo wir unser Wohnmobil abholen können. Noch einmal machen wir eine Airporter-Tour nicht mit, obwohl Maui direkt in der Nähe des Flughafens liegen soll.
Nach meinem irrtümlichen Versuch, vorne rechts im Taxi auf den Beifahrersitz zu gelangen, stellt sich der Fahrer als ausgewanderter Schweizer heraus. Er fragt uns, wo wir denn her seien, und nach unserer Antwort redet er plötzlich deutsch mit uns. „Wo haben Sie denn so gut Deutsch gelernt?“ fragen wir ihn, und er antwortet zu unserem Erstaunen: „In der Schweiz. Ich bin Schweizer.“ Er war Seemann und ist nun seit 25 Jahren hier. Ja, gibt es denn Schweizer Seefahrer...? Für 30 Dollar liefert er uns bei Maui ab, gibt uns den Tipp, doch zu versuchen, dass man uns die Fahrtkosten erstattet, und seine Handynummer. Sehr nett. Und tatsächlich, die Taxikosten erstattet man uns anstandslos! Überhaupt sind alle sehr nett bei Maui, und wir sind auch recht schnell dran. Wir erhalten zwar keine deutschsprachige Einführung, aber da wir ja schon einmal mit einem Wohnmobil unterwegs waren und uns jetzt auch mehr zutrauen, ist das nicht so schlimm. Die Verständigung klappt so auch ganz gut.
Überrascht sind wir nur ein wenig über unser Wohnmobil selbst. Als die kleine Blonde von Maui, die uns bedient, mit uns hinein geht, schauen wir uns nur an: „Sieht alles so klein aus...“, sind wir uns einig. Und fragen dann auch nach anfänglichem Zögern, ob das wirklich ein Spirit 3 sei. Ja, das sei ein Spirit 3, versichert man uns. Wir versuchen unser Staunen mit dem Hinweis auf unsere Wohnmobil-Erfahrungen in Kanada zu rechtfertigen, aber das muss bei den Maui-Leuten nur den Gedanken erzeugt haben: Ja, warum fahren die denn dann nicht wieder da hin...?!
Ein Spirit 4 ist leider nicht mehr da, und das Spirit 6, das wir uns anschauen, ist viiiiiel zu groß. Also bleiben wir bei dem Modell, wir werden schon damit zurecht kommen. Es scheint halt sehr wenig Stauraum zu haben, und die Sitzecke muss immer erst zum Bett umgebaut werden. Sie sieht auch nicht so aus, als ob dort zwei Leute schlafen könnten, denn den Alkoven brauchen wir, um Rucksäcke, Koffer, Bettwäsche und Campingtisch und -stühle unterzubringen. Ja, ja, ist schon etwas eng hier drin. Und überhaupt - wo sollen wir nur die Lebensmittel hinpacken? Sind ja nur zwei Schubladen da...!
Nun gut. Auf geht’s. Um 13 Uhr kommen wir weg, und ich stelle mit Erschrecken fest, dass bei Fahrzeugen, die den Lenker rechts haben der Schaltknüppel entsprechend links zu finden ist. Hoffentlich geht das gut. Zu Anfang rühre ich denn auch noch ganz schön im Getriebe herum, aber bald klappt das Schalten viel besser. Sofort stürzen wir uns in das Stadtgetümmel, Richtung Supermarkt, um die beiden Schubladen so richtig voll zu ballern mit allen erdenklichen Leckereien. Wir hätten auch zu einem Supermarkt fahren können, der nicht so weit Richtung Innenstadt liegt, aber der sei nicht so sicher, wie man uns mitteilte. Einer von uns solle dann lieber im Wagen bleiben... Das war uns aber nicht geheuer; da bevorzugen wir dann doch lieber einen sicheren Supermarkt, auch wenn er mit mehr Aufwand zu erreichen ist.
Die Fahrt dorthin klappt aber schon ganz gut, bis auf die Tatsache, dass die Wegbeschreibung nicht ganz eindeutig ist. Außerdem stellen wir fest, dass der Stadtplan, den wir von Maui erhalten haben, mehr oder weniger stilisiert ist und wir die Straßen gar nicht wiederfinden, auf denen wir uns bewegen. Gott sei dank gibt es alle Nase lang diese Kreisel, so dass wir leicht wenden können, um dann immer noch die Auffahrt zum Motorway zu verpassen. Aber irgendwie kommen wir doch am „Foodtown“ an, der „huge“, gigantisch sein soll. Aber wir kennen da noch größere Supermärkte in good old germany...!
Das Einkaufen dauert etwas. Obst, Cerealien, Nutella, Brot, Butter und Säfte werden eingepackt, und schließlich wird alles mit der Kreditkarte bezahlt. Der Inhalt von -zig Tüten muss dann im Wohnmobilinneren verstaut werden, was uns erstaunlicherweise auch gelingt! Wir stellen nämlich schnell fest, dass im Wandschrank auch noch Konserven untergebracht werden können, ebenso hinter den Klapptüren unter den Schubladen.
Endlich geht es raus in die Wildnis. Das Abenteuer beginnt, und wir düsen auf dem Motorway 1 Richtung Coromandel Peninsula. Was wird uns nur erwarten? Wir sind gespannt...
