Lotte in Seoul
Was hat ein kleiner deutscher Ort mit einem koreanischen Konzern gemeinsam?
So erging es mir und meiner Freundin, als wir auf dem Weg nach Neuseeland während des
planmässigen Stops in Seoul, Südkorea, den Kimpo Airport durchstreiften. Drei Stunden
mussten wir in dem ziemlich unspektakulären Flughafen totschlagen und erreichten bald eine
Halle, die von einem grossen Duty-Free-Shop fast ganz ausgefüllt wurde. Als mir die
Neonreklame in den Blick kam, glaubte ich plötzlich meinen Augen nicht mehr trauen zu können.
Auf dem Leuchtschild über dem Eingang prangte in hellen Lettern der Name meines Heimatortes:
"Lotte"! Selbstverständlich musste ich dieses Phänomen im Bild festhalten.
Wie klein die Welt doch ist! Da ist man auf dem Weg an das andere Ende der Welt und ist auf
halber Strecke gleich wieder zuhause! 15 Jahre habe ich in dem kleinen Vorort von Osnabrück,
der vielen nur von den Staumeldungen am Autobahnkreuz Lotte/Osnabrück bekannt ist, gelebt.
Und am wenigstens habe ich erwartet, ihm in Korea wiederzubegegnen.
Die Sache liess mir natürlich keine Ruhe. Was hat ein neongelbes "Lotte" neben all den
fremden Zeichen auf einem Reklameschild in Korea zu suchen?
Wieder zurück in Deutschland ging ich der Sache nach. Ich bemühte meine liebste
Informationsquelle - das Internet - und fand über den Suchbegriff "Kimpo" schnell die
Homepage der "Korea National Tourism Organization" (KNTO) - der Nationalen
Touristik-Organisation Koreas. Per E-Mail erkundigte ich mich, was es denn mit dem Lotte in
Seoul auf sich hat, und erhielt auch prompt Auskunft: Lotte ist in Korea ganz gross! "Lotte"
heisst dort ein riesiges Imperium aus Duty-Free-Läden und Shopping-Centern.
Der Gründer - ein Koreaner - war begeisterter Anhänger deutscher Literatur, insbesondere von
Goethe. Dessen Geliebte Charlotte Sophie Henriette Buff schliesslich stand Pate für das
Einkaufsimperium, das auf ihren Kosenamen - "Lotte" - getauft wurde. Dieses Imperium bildet
eine ganze "Lotte-World", die auch im Internet zu finden ist, allerdings hauptsächlich in
Koreanisch. Wer sich diese virtuelle Einkaufswelt im asiatischen Stil einmal anschauen will,
kann dies unter "www.lotte.com" oder auch
"www.lotte.co.kr" tun. Englische Informationen gibt es
auch unter "www.lotteworld.com" .
Somit hat also jenes asiatische Lotte nichts mit dem kleinen Ort zu tun, in dem ich während meiner Schul- und Studienzeit gelebt habe. Dieses "richtige" Lotte findet man übrigens ebenfalls im Internet; unter "www.lotte.de" präsentiert es sich der internationalen Gemeinschaft. Wer an weiteren Informationen über Korea interessiert ist, kann sich auf der Internet-Seite der KNTO schlau machen und dort auch Broschüren über das ferne Land bestellen (www.knto.or.kr , E-Mail: k n t o f f (at) e u k o (dot) d e).