Tag 5: Meknes - Beni Mellal
Pferdeställe und Kunsthandwerk
Natürlich sehen wir nur noch Ruinen, die aber auch ihren gewissen Reiz haben. Hier waren damals sage und schreibe 120000 Pferde untergebracht! Anschließend besuchen wir eine Araber-Pferdezucht (als ob wir noch nie ein Pferd gesehen hätten - aber so darf man das wohl nicht betrachten!).
Auch in Meknes besuchen wir die Altstadt, die anscheinend in jeder marokkanischen Stadt zu den Hauptattraktionen zählt. Allerdings gleichen sich alle Medinas mehr oder weniger.
Jede Stadt bzw. Region hat ein Kunsthandwerk, für das sie berühmt ist. In Rabat ist es das Teppichknüpfen, in Fes kommt das Schmiede- und Gerberhandwerk hinzu. Meknes ist zum einen bekannt für seine Stickereien. Die Besonderheit daran ist, dass die bestickten Decken von beiden Seiten auflegbar sind. Wir besuchen ein Kunstgeschäft und kaufen einige der Decken als Mitbringsel ein. Hier bekommen wir auch herrliche Damaszier-Arbeiten vorgeführt, ein weiteres Kunst-Handwerk, das in Meknes zuhause ist.
Nach dem Mittagessen in einem Restaurant in der Stadt geht es um 14 Uhr weiter in Richtung Beni Mellal, einer Zwischenstation auf unserem Weg zurück nach Marrakesh. Die Fahrt führt uns durch den Mittleren Atlas, eine landschaftlich sehr reizvolle Gegend. Allerdings möchte hier keiner von uns tot über´ m Zaun hängen!
Taouffique nennt uns mal wieder zwei Möglichkeiten für die Weiterfahrt. Wir können uns für oder gegen einen 40-Kilometer-Umweg über das Dörfchen Ifrane entscheiden, der uns eine Stunde Fahrt kosten würde. Obwohl Taouffique uns mitteilt, dass wir dort nicht einmal aussteigen würden, entscheidet sich die Mehrheit für den vorgesehenen Weg über Ifrane. Um viertel nach drei erreichen wir den Ort, der 1600 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Hier machen viele der Einheimischen Ferien, denn Ifrane ist ein beliebter Wintersportort - im Winter liegen bis zu 3 Meter Schnee! Taouffique erklärt, dass die Franzosen den europäischen Baustil - die Häuser haben hier im Gegensatz zu den anderen Städten Marokkos Spitzdächer - in diese Region gebracht haben. Man kommt sich tatsächlich wie in Europa vor. Die Häuser mit ihren netten Vorgärten haben etwas Heimisches an sich, was man von den anderen Dörfern nicht sagen kann. Wir machen tatsächlich keinen Halt in Ifrane (es regnet sowieso in Strömen), sondern erst, nachdem wir die Stadt wieder verlassen haben. Wir stoppen oben auf einem der vielen Berge und genießen die Aussicht auf den Mittleren Atlas. Heinz nutzt die Gelegenheit und fragt Taoffique nach der wirklichen Bedeutung der Spitzdächer: "Das hat doch nicht wirklich etwas mit den Franzosen zu tun?! Die haben die spitzen Dächer hier doch nur wegen des Schnees, oder?" fragt er. Taouffique zwinkert nur verschmitzt mit den Augen.
Die Fahrt geht weiter durch das Gebirge Richtung Khenifra, der "Roten Stadt". Der Bus quält sich die Serpentinen entlang, bis es wieder in ein Tal geht. Hier werden wir so richtig überrascht: Mitten in der Wildnis, im Nichts, Dutzende von Kilometern zwischen den nächsten Städten, wo sich nicht einmal Fuchs und Hase Gute Nacht sagen, liegt eine Raststätte, in der wir Kaffee und Gebäck bekommen können. Der Besitzer spricht fließend deutsch und erklärt, dass seiner Meinung nach in Hannover das beste Deutsch gesprochen wird. Wir fragen uns, was ihn bloß in diese Gegend hier zurückgezogen hat...
Kurz darauf erreichen wir Khenifra. Die Häuser sind aus der roten Erde gebaut, die es hier in dieser Gegend gibt; daher auch der Name "Rote Stadt". Jetzt sind es noch 120 Kilometer oder zwei Stunden Fahrt bis nach Beni Mellal. Es wird wieder spät und dunkelste Nacht sein, wenn wir dort ankommen. Auf meine Kritik an dem sinnlosen Umweg über Ifrane hin erwidert Otto Travolta (einer unserer Mitreisenden; von Heinz so betitelt, weil er seinen Hemdkragen stets so forsch hochgestellt trägt): "Ich guck´ mir lieber die Gegend an, als im Hotel zu sitzen!" Schön und gut, nur wenn es draußen stockfinster ist, hat er da auch nichts von...
Um 20 Uhr 30, lange nach Sonnenuntergang - der ist hier immer recht früh; wir sind halt näher am Äquator als in Deutschland - gelangen wir an unser Hotel in Beni Mellal. Wir sind angenehm überrascht: Unsere bisherigen Hotels waren ja auch nicht schlecht, aber dieses hier scheint eine richtige Nobel-Herberge zu sein. Unser Zimmer ist eine richtige Suite! Von dem Pool sind wir auch ganz begeistert: Mittendrin beherrscht ein Pavillon den Ausblick hinter das Hotel. Anhand der ausliegenden Broschüren erfahren wir, dass es sich hier um eine Schönheitsfarm handelt - es scheint, als ob man sogar in Eselsmilch baden kann! Nachdem wir uns am Abend-Büffet gütlich getan haben, begeben wir uns in den Garten, setzen uns mit Heinz und Sabine (die übrigens aus Beckum kommen, das gar nicht weit von unserer Heimatstadt Osnabrück entfernt liegt) unter den Sternenhimmel und lassen uns zwei Flaschen des örtlichen Weines schmecken. Ja, so lässt es sich aushalten! Anschließend wollen wir einen Blick in die Hausdisco werfen, die allerdings nicht geöffnet hat. Na, dann gute Nacht!
