Tag 3: Rabat

Die aktuelle Residenz des Königs von Marokko

Frühstück scheint in jedem Hotel nahezu gleich zu sein: Stets gibt es diverse Backwaren (Croissants - manchmal die Mini-Ausführungen, Brötchen - harte oder weiche, kleine oder ganz kleine, oder auch kuchenartiges Gebäck!), Marmelade (meistens Orange), Butter(flöckchen) in Wasser sowie Kaffee oder Tee.

Allerdings gibt es das hier nicht in Büffett-Form; heute müssen wir uns sogar unser Frühstück selber zusammenstellen: Die Bediensteten reagieren kaum auf unsere - zugegebenermaßen recht späte - Ankunft im Frühstückssaal; wir müssen fast um eine Speise betteln, während Heinz bereits wieder mit einem hier herumstreunenden Kätzchen spielen kann (nein, nicht Sabine!). Aber schließlich werden wir doch noch satt, bevor es um 8 Uhr 30 wieder los geht. Ein lokaler Führer - Hassan - begleitet uns auf unserer Stadtrundfahrt durch Rabat.

Als erste und naheliegendste Attraktion einer Königsstadt sehen wir natürlich den Palast von König Hassan II. Es ist ein wahres Prachtwerk. Wir dürfen allerdings nur bis auf etwa 60 Meter herangehen; ein sich sichtlich wohlfühlender Wächter (er wird ja schließlich auf Tausenden von Touristenfotos in aller Herren Länder mit verewigt) achtet strikt darauf. Allerdings teilt unser Führer uns mit, dass die Reisegruppen jedes Jahr ein paar Meter gewinnen und näher an das königliche Haus herangelangen...

Unsere Fahrt  führt uns anschließend vorbei an der "Coca-Cola-Botschaft" (der USA natürlich) zum Mausoleum von Hassan V (doch, doch, einige Hoheiten hießen auch anders). Beim Aussteigen machen wir zum ersten Mal Bekanntschaft mit der Aufdringlichkeit der marokkanischen Straßenhändler, die ihren billigen Schund an die Touristen verkaufen wollen. Aber über die Qualität der angebotenen Waren - Kleider, T-Shirts, Teekannen etc. sind wir rechtzeitig von Taouffique vorgewarnt worden.

Wir begutachten das Innere des Mausoleums und bewundern anschließend die unvollendete Moschee mit dem Hassan-Turm auf dem Vorplatz, deren Bau vor 800 Jahren begonnen und nie vollendet wurde. Von hier haben wir einen wunderbaren Blick auf die Mündung des Oued Bou Regreg in den Atlantik: Links erstreckt sich Rabat, rechts die Schwesterstadt Salé.

Von der Moschee-Ruine aus geht unsere Rundfahrt weiter zur Kasbah des Oudaia. Hier finden wir einen wunderschönen Garten vor, mit einer üppigen Vegetation und prächtigen Blüten. Zudem gibt es hier ein kleines Museum, in dem alte Kleidung, Werkzeuge und Waffen von den verschiedenen Völkern aus allen Regionen Marokkos vorzufinden sind. Nach diesem Kultur-Ausflug geht's mit etwas Mut über die belebte Hauptstraße, die an der Medina entlang führt, in eben diese hinein. Zum ersten Mal erleben wir den Flair, aber auch das Chaos in solch einer historischen Altstadt mit ihren schmalen, verwinkelten Gassen, in denen man sich als ortsunkundiger Tourist zweifellos verlaufen kann...

Bis um 12 Uhr 15 strumpeln wir durch die Altstadt mit ihren Marktständen und kleinen Läden, wo Obst und Gemüse, Fisch und Fleisch sowie Gewürze angeboten werden. Besonders angetan sind wir wieder vom Fleischer-Stand, wo die Schweine-Hälften und nackten Hühnchen an Haken hängend feilgeboten und einige Innereien auf Holzbrettern präsentiert werden. Für uns sieht das nicht sehr appetitlich aus...

Hie in der Medina herrscht zum Teil wirklich noch ein Treiben, wie man es sich aus früheren Jahrhunderten vorstellt. Allerdings fühlt man sich in den alten Gassen meist wie ein Fremdkörper, und man stößt unweigerlich auch auf Argwohn und Ablehnung. Ein Obstladen, von einer dunkel verschleierten Frau behütet, scheint mir für ein Foto besonders gut geeignet zu sein. Doch als ich ihn ins Visier nehme, springt ein älterer Mann aus dem Halbdunkel des Ladeninneren hervor, zieht die Frau in den Hintergrund zurück und schwenkt erbost und abwehrend eine Hand. Offensichtlich sähe er es nicht gerne, wenn ich seine (?) Frau fotografieren würde. Also deute ich mit einer Geste an, dass ich ihn verstanden habe, und gehe weiter. Ich habe aber auch dazugelernt: Eigentlich soll man das Einverständnis der Leute einholen, bevor man sie auf Zelluloid bannt. Bei einem anderen Laden, nur wenige Schritte entfernt, wende ich meine gewonnene Erfahrung an. Inmitten von Säcken mit Gewürzen und Pülverchen und einigen Tierfellen steht ein würdevoller älterer Mann mit grauweißem Vollbart. Ich deute ihm mein Vorhaben an, indem ich auf meinen Fotoapparat und dann auf ihn zeige und ihn dabei fragend anblicke. Aufmunternd nickt mir der Händler zu und schaut freundlich in die Kamera, während ich ihn für meine Reiseerinnerungen verewige. Ich bedanke mich bei ihm mit einem Kopfnicken (irgendwie spüre ich, dass ich ihn beleidigen würde, drückte ich ihm einige Dirham in die Hand), während er sich mit einer erhabenen Geste von mir verabschiedet: Die rechte Hand auf seine linke Brust gelegt, deutet er eine Verbeugung an. Dabei strahlt er solch eine Ruhe und Gelassenheit aus, wie man sie bei uns nur selten findet. So habe ich mir stets einen Orientalen vorgestellt. Dieser Mann ist das totale Gegenteil von den aufdringlichen Marokkanern, die bei jeder Gelegenheit mit ihrem Billigschund hinter uns her wedeln, und vermittelt mehr Atmosphäre von 1001 Nacht als hundert Wasserverkäufer.

Unsere Stadtrundfahrt endet vor unserem Hotel, wo das Mittagessen schon auf uns wartet. Wir verabschieden uns von unserem Reiseführer Hassan und bedanken uns - wie es üblich ist - mit einem Trinkgeld, das wir ihm beim Betreten des Hotels in die Hand drücken.

Nach dem Essen geht die Fahrt weiter ins Landesinnere, zu unserer nächsten Station: Fes. Wir durchqueren einen Korkeichenwald, in dem tatsächlich Kork gewonnen wird, und machen an einer Raststätte Halt zum Postkartenkauf. Dieses Café hat schon einen ganz anderen Charakter als die Haltestelle, die wir in unserer ersten Nacht während der Fahrt nach Marrakesh angesteuert haben: so sieht schon eher eine Raststätte aus, in der man sich aufhalten kann (aber hierbei legen wir natürlich die Maßstäbe verwöhnter Deutscher an). Auch Birgit und ich tätigen hier unsere ersten Karten- und Briefmarkenkäufe; schließlich will man ja auch anderen zeigen, wo man sich im Urlaub so rumtreibt...

Kurz nach der Weiterfahrt werden wir Zeuge eines Unfalls, d.h. eigentlich sehen wir nur noch das Resultat: In einer Kurve ist ein bergab fahrender Lkw mit einem anderen Reisebus zusammen gestoßen. Es scheint nicht sehr schlimm zu sein: Der Fahrer des Lkw liegt benommen am Boden, umringt von etlichen Helfern. Die Reisegesellschaft ist wohl mit dem Schrecken davongekommen; nur die Frontscheibe des Busses ist gesplittert. Dumme Sache, das!

Aber auch uns verfolgen die Tücken der (alten) Technik: Die Bremsen lassen nach (in diesem bergigen Land nicht sehr erfreulich). Das gibt Arbeit für unseren Beifahrer: Er legt sich unter den Bus und entlüftet die Bremsen.

Unsere Fahrt führt weiter durch Meknes hindurch bis nach Moulay Idriss. Fälschlicherweise wird dieser Ort  in der Literatur als Wallfahrtsort für die Moslems beschrieben. Eine Wallfahrt nach Moulay Idriss soll die Fahrt nach Mekka ersetzen; dem ist aber nicht so! Hier erfahren wir auch, dass das Tragen von Schleiern bei den Frauen nicht aus dem Islam herrührt, sondern einzig aus der Tradition einiger Berbervölker stammt, und dass ein guter Moslem nur ein bis vier Frauen haben soll, gerade soviel, dass er alle gleich gut ernähren und behandeln kann!

Um 19 Uhr - es ist natürlich längst wieder dunkel - erreichen wir endlich Fes und unser Hotel. Als abendliche Unterhaltung wird ein "marokkanischer Abend" angeboten, der allerdings im Grundpreis nicht inbegriffen ist und pro Person 100 Dirham kosten soll. Na ja, was soll's. Zunächst gibt es ein typisch marokkanisches Essen - was immer das auch heißen mag: typisch für die Marokkaner oder typisch für die Touristen? Jedenfalls bekommen wir - nachdem wir uns auf Kissen an einem niedrigen, runden Tisch niedergelassen haben - als Vorspeise einen leckeren Kuchen mit Nüssen und Mandeln - einfach köstlich. Dann erhalten wir zum ersten Mal Couscous - mit Fleischstücken, an denen allerdings noch viel Fett und Knochen hängen; somit nicht ganz mein Geschmack. Nebenbei spielt eine kleine Gruppe einheimische Musik, und Bauchtänzerinnen zeigen uns ihre Bäuche - äh, Künste. Ein interessanter Abend, aber am besten ist doch noch, dass wir uns satt essen können...

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