Tag 15: "Beslama!"
Es geht nach Hause
Während wir darüber brüten, was zu tun ist, erreicht ein Reisebus das Hotel. Und wer steigt da wohl aus? Unser Taouffique, der uns regelrecht anstrahlt! Die Begrüßung ist sehr herzlich; so offen ist er die ganze Rundreise über nicht gewesen. Er sei froh, dass er diese zweite Rundreise gut hinter sich gebracht hat, sagt er und schüttelt den Kopf über seine jetzige Reisegruppe. Wir seien doch eine tolle Gruppe gewesen, versichert er uns. Ich verstehe das zwar nicht ganz - waren doch so viele Pappnasen wie etwa Otto Travolta dabei! Aber wir vier haben natürlich alles herausgerissen! Taouffique entlässt einige seiner Schafe in das Les Almohades und macht sich wieder auf den Weg. Wieder jemand, den wir wohl nie wiedersehen werden...
Wir flanieren noch einmal die Hauptstraße vor unserem Hotel entlang, trinken und essen noch eine Kleinigkeit (marokkanische Cola und einen typisch marokkanischen Cheeseburger!), bis unser Bus endlich um zwanzig vor vier kommt und uns zum Flughafen bringt. Auf der Fahrt durchqueren wir zum letzten Mal die Wohnviertel, in denen sich die Menschen zwischen Schutt und auf die Gehwege geschmissenen Müll wohl zu fühlen scheinen.
An einer Kreuzung amüsieren wir uns über einen total überladenen, kleinen alten Lkw. Auf ihm stapeln sich bestimmt 5 Meter hoch Strohballen, die an allen Seiten über die Außenmaße des altersschwachen Gefährts hinaus ragen, und er kann nicht mehr vor und nicht zurück. Zwei Mitfahrer bemühen sich um Halt für die trockene Fracht; es sieht so aus, als ob der Laster jeden Moment umkippen könnte. Unser Busfahrer sieht nur zu, dass er schnell vorbei kommt...
Dieses ist nur eine Szene, die solch einen Urlaub in einer für uns absolut fremden Welt trotz aller Unannehmlichkeiten - mit denen wir verwöhnten Deutschen wahrscheinlich an den meisten Orten dieser Erde rechnen müssen - erlebenswert macht. Hier sollte es eigentlich nur darum gehen, neue Eindrücke zu sammeln, neue Erfahrungen über eine unbekannte Kultur sowie die Erkenntnis, wie gut wir es doch bei uns in der Heimat haben.
Am Flughafen herrscht in unserer Reisegruppe allgemeine Unsicherheit darüber, wie nun die Koffer aufzugeben sind. Es stehen zwei Schlangen vor den Abfertigungsschaltern, und wir stellen uns einfach an die linke an. Wir sind fast vorne angelangt, da hat es sich bis zu uns durchgesprochen, dass in der linken Reihe nur die Flugscheine abgestempelt und die Bordkarten für das Flugzeug verteilt werden. Die Koffer werden rechts abgegeben.
Der beleibte Beamte am linken Tresen hat anscheinend keine rechte Lust, oder aber er geht seinen Job nur sehr ruhig an. Jedenfalls schläft er beim Verteilen der Plätze fast ein. Wir bekommen natürlich wieder keinen Fensterplatz; das Flugzeug ist schon fast voll. Um die Koffer aufzugeben, mogel' ich mich anschließend rechts rüber; ich stell' mich doch nicht noch mal ganz hinten an! Einige der Reisenden müssen tatsächlich ihren Koffer öffnen; Stichproben werden hier also doch gemacht.
Dann können wir endlich durch die Passkontrolle in den Wartebereich des Flughafens gehen. Eines der Paare, die mit uns gereist sind - der Soldat und seine Frau - werden hier kurz aufgehalten. Irgendwo haben sie ein Ungetüm von Vase erstanden, die sie als Handgepäck mit ins Flugzeug nehmen möchten. Die Beamten verlangen, dass sie die Verpackung öffnen; doch nach kurzer Diskussion lässt man sie doch so durch. Ja, ja, wer weiß, was sie jetzt durchgeschmuggelt haben...
In der Abflughalle gönnen wir uns für unsere letzten marokkanischen Dirham einen Café auf lait und schauen uns noch kurz im Tax-free-Laden um. Doch der hat uns - eigentlich überraschend - wirklich nichts zu bieten, was man zuhause nicht zumindest genauso billig bekommen könnte.
Endlich - die Sonne geht schon unter - ist unser Flugzeug abflugbereit. Einige der Mitfliegenden drücken sich regelrecht die Nase platt an den Scheiben der noch geschlossenen Tür. Aber dann geht's los. Die Niedrigflurbusse kennen wir schon, und einige Minuten später stehen wir auf der Gangway. Zum Abschied blicken wir noch einmal zurück auf das orientalische, fast majestätisch wirkende Flughafengebäude von Agadir, und werfen einen letzten Blick auf die untergehende Sonne Nordafrikas, die uns mit ihren immer noch wärmenden Strahlen über die Tragfläche der TriStar hinweg "Beslama!" - "Auf Wiedersehen!" sagt...
