Tag 10: Wie klein ist doch die Welt!

Unheimliche Begegnung am Strand

Sabine hat's jetzt auch erwischt! Sie kämpft ebenfalls mit ihrem Magen, dem die Umstände hier wohl nicht gefallen. Also machen wir uns nach dem Frühstück auf und gehen in die Stadt, eine "Pharmacie" suchen. Relativ schnell werden wir fündig, und Sabine kauft etwas gegen ihre Beschwerden.

Während unsere Beckumer Freunde sich sofort wieder auf den Rückweg machen, bummeln wir noch etwas weiter durch das neue Agadir. Dabei lernen wir ein weiteres Stück der Stadt kennen: Kaum befahrene Seitenstraßen, in denen allerdings Scharen von Fußgängern unterwegs sind, einige Cafés und Touristen-Boutiquen, die wir uns aber nicht antun müssen.

Zurück im Hotel legen wir uns am Pool in die Sonne - an den Strand müssen wir nicht unbedingt. In der hoteleigenen Snackbar nehmen wir unser Mittagsmahl zu uns: Es ist wirklich nur ein Snack - der Mini-Hamburger hat seinen Namen zurecht. Er ist aber essbar, genau wie die Pommes. Heinz füttert damit aber lieber eine der vielen herumstreunenden Katzen, die sie mit Begeisterung frisst. Der Nachmittag verläuft ereignislos; wir vertrödeln die Zeit am und im Pool und faulenzen so richtig! Sogar der Gestank, der gestern noch vom Hafen herüberwehte, ist heute erträglich.

So gegen achtzehn Uhr geht die Sonne langsam unter. Birgit und ich wollen uns den Sonnenuntergang am Strand anschauen und stapfen durch den dicken Sand. Es sind kaum noch Menschen hier. Während wir die Abendröte über dem Atlantik und das prächtige Farbenspiel genießen wollen, steuert ein Einheimischer auf uns zu. Ich ahne nichts gutes. "Time?" fragt er und zeigt auf sein Handgelenk. "Six heures" erwidere ich in Marokkos zweiter Landessprache, woraufhin er mit "Francais?" reagiert. "Nein, deutsch" steuere ich zu unserem komplexen Gespräch bei. Sofort fängt er an, uns auf deutsch (wie auch sonst?) vollzuquatschen. Wo wir denn herkämen? Aus Düsseldorf. "Oh, kennst du Monheim?" "Mannheim? Ja, kenn ich." "Nein, Monheim bei Düsseldorf. Wir sind Nachbarn!" Raschid - so heißt er - erzählt uns, dass er nach einigen Jahren Arbeit in Deutschland geheiratet hat, und ich erkläre ihm, dass wir eigentlich aus Osnabrück kommen. "Oh, kennst du den Hyde Park und das Subway?" Wir lachen beide; ja, so klein ist die Welt!

Aber jetzt geht's los: "Warum seid ihr beide so blass?" fragt er ganz unvermittelt. Rundreise, und erst zwei Tage hier und so, lautet unsere Antwort. "Wollt ihr braun werden? Ich kenn da ein tolles Mittel. Bekomm ich von den Berbern im Hinterland. Habt ihr zehn Minuten Zeit? Dann hol' ich es eben." "Ist nicht nötig", entgegne ich. "Warum nicht?" "Kaufen wir sowieso nicht." "Warum? Hast du kein Vertrauen?" fragt Raschid. Da erzähle ihm von seinen aufdringlichen Landsleuten, und dass wir von denen die Schnauze voll haben (ja, ja, ich habe mich schon gewählter ausgedrückt). Und da fängt er plötzlich an, sich über Ausländerhass in Deutschland aufzuregen. Das müssen wir uns jetzt aber wirklich nicht mehr länger anhören und wollen uns auf den Rückweg zum Hotel machen. Da versucht Raschid uns doch glatt noch um einige Dirham für Zigaretten anzubetteln. Jetzt reicht's uns. Die Verabschiedung ist nach einem anfänglich echt lockeren Gespräch sehr kühl. Ich mache noch schnell ein Foto von der schon fast versunkenen Sonne, dann begeben wir uns zurück zum Hotel.

Beim Abendessen sind die Kellner heute sehr freundlich. Ob sich da jemand beschwert hat? Wir verbringen den Rest des Abends wieder in der Cocktail-Bar des Agadir Beach Club. Es spielen dieselben Musiker wie gestern. Aber das Plakat am Eingang mit der Aufschrift "Heute spielen: ..." hat ja auch jeden Tag Gültigkeit...

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