Epilog: Ein Fazit
Wie war's denn?
Wie so vieles hatte auch sie ihre zwei Seiten. Die Bedenken,. die ich vorher einer Busrundreise gegenüber gehegt hatte, sind zum Teil zerstreut worden. dass dies nicht ganz gelang, dafür haben einige Prachtexemplare von Touristen gesorgt, die alle Klischees erfüllen, die es über Rundreisetouristen gibt. Man erinnere sich an die Filme, in denen mit Kameras behängte und mit Bermuda-Shorts bekleidete Amerikaner wild fotografierend die Sehenswürdigkeiten verewigen. Solche Leute gibt es auch im wirklichen Leben, und gerade unter uns Deutschen! Aber dadurch war es teilweise auch sehr lustig; man musste sich einfach über diese merkwürdigen Leute amüsieren, die in einem fremden Land so herrschaftlich auftreten und sich dabei - wahrscheinlich ohne sich dessen bewusst zu werden - lächerlich machen. Ich erinnere mich dabei an eine Szene in Meknes, beim Bummel durch die Medina. Irgendwann hatte Taouffique uns allen erklärt, dass viele Marokkaner ein paar Dirham dafür verlangen, wenn man sie fotografieren will. Aber in Meknes sagte er uns auch, dass die dortigen Schneider zu den am besten verdienenden Einwohnern gehörten. Einer unserer Mitreisenden erkundigte sich per Gesten bei einem der Schneider, ob er ihn ablichten dürfe. Nach dessen Zustimmung machte er sich gleich an die Arbeit und drückte dem Schneider dann wohlwollend nickend ein paar Münzen in die Hand. Des Schneiders anfängliche Verblüffung verwandelte sich schnell in Amüsiertheit, und er grinste seine Kollegen breit an. Diese erwiderten das Lächeln - so, als würden sie mit einem mitleidigen Kopfschütteln sagen: Ja, ja, diese Touristen...
Marokko ist auf jeden Fall ein sehenswertes Land. Es gibt sehr viel alte Kultur und Architektur zu bewundern, und eine Medina muß man einfach einmal erlebt haben (auf jeden Fall die von Fes, das ist wirklich die chaotischste und engste). Diese Atmosphäre, diese Dichte und Menge an fremden Eindrücken erlebt man so geballt kaum woanders. Es ist wirklich reizvoll, sich dort umzuschauen und in den kleinen Läden zu stöbern - wenn nur nicht immer diese aufdringlichen Händler wären. Aber da muß man sich dann eben eine dicke Haut zulegen. Wenn man mit einer großen Reisegruppe unterwegs ist, ist es leider auch nicht möglich, sich die Zeit zu nehmen, die man bräuchte oder gern hätte. Es muß auf die Belange aller Rücksicht genommen werden, und das Programm ist meist recht starr. Alleine jedoch - ohne Führer - würde man sich in einer Medina z.B. sicherlich schwer tun. Das dürfte ein recht abenteuerliches Unterfangen sein, zu dem man einen sehr guten Orientierungssinn benötigt.
Natürlich kann man Marokko auch auf eigene Faust entdecken. Aber das ist gerade in solch einem exotischen Land nicht jedermanns Sache. Durch die Bus-Tour haben wir jedoch einen für die kurze Zeit recht umfassenden Überblick gewonnen über die interessantesten Schätze des Landes. Mehr darf man nicht erwarten. Es gibt immer wieder Orte und Gegenden, wo man mal etwas länger bleiben möchte, oder auch solche, die einen gar nicht interessieren. In dieser Beziehung muß man eben Kompromisse machen. Darüber muß man sich nur klar sein, wenn man eine solche Reise bucht.
Apropos Fes: Meinen Teppich habe ich tatsächlich bereits etwa eine Woche nach unserer Rückkehr aus Marokko am Flughafen in Düsseldorf abholen können. Einziger negativer Beigeschmack: Zoll- und Bankgebühren sowie Frachtkosten ließen den Gesamtpreis für mein Souvenir um 500 DM anschwellen. Damit habe ich nicht unbedingt gerechnet. Wer sich also einen Teppich in Marokko kaufen möchte, sei an dieser Stelle vorgewarnt. Dennoch: Es ist ein wunderschönes Stück, und ich bin froh, dass ich es habe!
Im nachhinein betrachtet war die erste Woche mit der Rundreise die schönere, wenn auch anstrengendere der beiden Urlaubswochen. Das Hotel in Agadir war nicht besonders gut (insbesondere der Service), und die Stadt selbst bietet (noch) nicht genug, um als Badeort einen längeren Aufenthalt zu rechtfertigen. Aber das ist natürlich nur unsere Meinung. Ursula und Annemarie etwa, die auch bei uns im Hotel wohnten, waren bereits zum siebten (!) mal in Agadir. Kaum zu glauben. Es wäre vielleicht auch nicht schlecht gewesen, in Agadir selbst motorisiert zu sein, um die Umgebung und die schönen Strände am Atlantik kennenzulernen. Ich hätte auch gerne noch die paradiesische Einsamkeit einer Oase erlebt und den Sand einer echten Wüste zwischen den Zehen gespürt. Aber das kann man ja nachholen.
Allerdings zieht mich so schnell nichts nach Marokko zurück. Es gibt noch so viel anderes zu sehen auf der Welt: Den nächsten Urlaub werden wir in Portugal verbringen, wo wir auch keinen reinen Badeurlaub machen, sondern diesmal per Mietwagen das Land auf eigene Faust erkunden und dann noch ein paar schöne Tage an der Algarve verbringen wollen. Vielleicht erkennt man ja von dort aus über den Atlantik hinweg das Minarett der großen Hassan-Moschee...