Tag 23: Wohnmobil adé
Abschied vom mobilen Heim
Irgendwo im Süden Vancouvers liegt die Filiale von Cruise Canada, eine Wegbeschreibung haben wir. Immer dem Highway 99 aus der Stadt heraus folgen, und dann - dann fahren wir plötzlich direkt auf den Flughafen von Vancouver zu! Wie kommen wir denn hierher? Panik! Ich drehe, und wir halten erst einmal auf einem Parkplatz, um uns zu orientieren. Irgendwie müssen wir zur River Road, sehen auf der Karte, dass sie ganz in der Nähe sein muß und fahren wieder los. Zweimal abbiegen, und schon sind wir da, nur gibt es hier kein Cruise Canada! Leicht irritiert schauen wir noch einmal genau hin und entdecken eine zweite River Road, weit ab von hier. Da sehen wir auch, warum wir auf dem Flughafen gelandet sind. Irgendwo macht der Highway 99 einen Links-Knick. Wir sind da wohl geradeaus weiter gefahren. Jaja, auf Richtungsschilder kann man sich halt doch nicht immer verlassen.
Die richtige River Road finden wir dann auf Anhieb. Allerdings mußten wir noch eine ganz schöne Strecke fahren. Rechtzeitig um Viertel vor elf können wir unser Wohnmobil einparken. Ein Jugendlicher kontrolliert, ob Mängel hinzugekommen sind, fragt uns, ob wir irgendwelche Probleme hatten, und zeichnet den Zettel dann ab. Ich kann kaum lesen, was der Junge da drauf gekritzelt hat. "No new damages" entziffere ich mit Mühe. Anschließend klärt mich Birgit darüber auf, dass der Junge ein Mädchen war. Ich schlucke und schüttele nur den Kopf.
Mit dem Zettel gehe ich in das Häuschen, wo schon andere Deutsche abgefertigt werden. Einer beschwert sich gerade über ein angeblich nicht fahrtüchtiges Wohnmobil, mit dem er unterwegs war, ein anderer meldet einen nicht verschuldeten Unfall, für den er die Reparaturkosten erstattet bekommt. Da haben wir ja richtig Glück mit unserem Fahrzeug gehabt, geht es mir durch den Kopf.
Als "der Nächste" aufgerufen wird, will sich einer vordrängeln, aber da ich durch unsere Irrfahrt innerlich immer noch leicht geladen bin, mache ich dem einen Strich durch die Rechnung. Wir müssen für die 29 Kilometer, die wir mehr gefahren sind als die gebuchten 2400, noch ein paar Dollar nachzahlen, die man uns von der erstatteten Kaution abzieht. Diese wird auf mein Kreditkartenkonto gutgeschrieben. Ich frage noch, ob uns einer der Shuttle-Busse mit in die Stadt nehmen kann, aber man teilt mir mit, dass die Wagen lediglich zwischen dem Flughafen und dieser Filiale verkehren. Wir müßten schon ein Taxi bestellen.
Das ist allerdings nicht nötig, denn wir können mit einem Paar mitfahren, das bereits ein Taxi hat kommen lassen. Wie sich herausstellt, wohnen die beiden in Wallenhorst, ganz in der Nähe von Osnabrück, meinem Geburtsort! Wie klein die Welt doch ist.
Für pauschale 30 Dollar bringt uns der indische Fahrer bis zu unserem Hotel. Der Schlitten ist riesig, drei Erwachsene haben hinten bequem Platz, und das ganze Gepäck paßt in den Kofferraum. Der Fahrer muß ihn zwar mit einer Schnur festbinden, damit er nicht wieder aufspringt, aber wenigstens verlieren wir unterwegs keinen Koffer.
Zur Mittagszeit erreichen wir das Century Plaza, in dem wir die letzten beiden Nächte unseres Urlaubs verbringen werden. Es liegt sehr zentral, unweit der Robson Street, so dass wir nicht mehr auf Busse oder Taxis angewiesen sein werden. Wir gönnen uns eine kurze Ruhepause nach dem doch sehr erschöpfenden Vormittag, bevor wir dann zur Robson strasse aufbrechen.
Hier machen wir eine göttliche Entdeckung: den Caffé Latte im Starbucks Coffee, ein doppelter Espresso mit geschäumter Milch. Ihn gibt es gleich in mehreren Größen, und da wir ja nicht unbedingt sofort für das Exzessive sind, bestellen wir uns einen mittleren. Mmh, einfach lecker.
Laut einer Vancouver-Broschüre heißt hier die Devise: Sit, sipping a latte and watch people. Die machen wir uns sogleich zueigen und beobachten eine Zeitlang interessiert das Geschehen. Schließlich brechen wir wieder auf und spazieren die Robson Street hinunter, in der Hoffnung, etwas von dem Reiz dieser Straße einfangen zu können, den sie haben soll. Insbesondere suchen wir das Teilstück, das Robson Straße genannt wird, weil hier so viele Deutsche ihr Geschäft haben. Aber uns fällt nichts auf. Im Gegenteil, wir finden hier eher Little Tokio vor, und die Straße wird immer uninteressanter. Wir kehren auf einer Parallelstraße, die durch ein mäßig aufregendes Wohnviertel führt, zurück. Unser Weg endet letztlich wieder in der Gastown, wo wir in dem Pub Steamworks ein Dark Beer bzw. einen Ice-Tea zu uns nehmen. Hier beobachten wir amüsiert die junge, niedliche Platzanweiserin, die eher hilflos ihren Job zu machen versucht, weil sich doch alle ihren Platz selber suchen.
Wir schlendern noch ein wenig herum, und als sich der Hunger meldet, kehren wir an der Water Street ein in den Thai Palace. Unser erstes thailändisches Essen. Wir bestellen uns lt. Speisekarte milde Gerichte. Die schmecken zwar gut, sind aber dennoch so scharf, dass wir sie gar nicht aufessen können und noch einen Krug Eiswasser bestellen, den man hier gratis zum Essen dazu bekommt!