Tag 21: Entdeckungstour in Vancouver

Stanley Park und Aquarium warten auf uns

Der Stanley Park soll heute unsere erste Station sein. Wir wollen dort das Aquarium besuchen. Die erste Aufmerksamkeit des Tages widme ich aber meinem Daumen. Beim Kajakfahren habe ich mir eine schöne Blase zugezogen (jaja, das Paddeln!), die jetzt aufgeplatzt ist. Nur noch das nackte, rote Fleisch schaut mir entgegen.

Um 9 Uhr 30 laufen wir los. Im Capilano Park Office erkundigen wir uns nach einem Bus, der über die Brücke fährt, und man schickt uns zu einer Haltestelle ein paar Straßenecken weiter. Aber hier tut sich nichts. Diese Haltestelle wird nur unregelmäßig angefahren. Wir gehen an die Hauptstraße, und hoffen, in Richtung Lion's Gate Bridge noch eine Haltestelle zu finden. Aber wir haben Pech. Bereits nach wenigen hundert Metern sind wir auf der Brücke und müssen nun wohl oder übel zu Fuß rüber. Nun ja, dann hat Birgit das halt auch mal mitgemacht.

Drüben angelangt, schlagen wir uns durch den Park. Mühsam suchen wir uns unseren Weg; die Karten des Parks, die man in den Touristenbroschüren findet, kann man in der Pfeife rauchen. Hier paßt nichts zusammen, und so müssen wir dem Gefühl nach gehen. Uns reicht die grobe Richtung, und gegen elf Uhr gelangen wir an das Aquarium.

Vor dem Eingang begrüßt uns ein Lego-Hai, drinnen erwarten uns jedoch Orcas, Beluga-Wale, Seeotter und viele weitere Fischarten. Das Haus hat Ähnlichkeit mit dem Aquazoo in Düsseldorf, nur dass der keine Wale hat. Die Becken für die Tiere sind natürlich viel zu klein, aber hier können wir aus nächster Nähe die Killerwale während einer kurzen 8-Minuten-Show beobachten. Es sind zwei Orcas, von denen der große die ganze Zeit traurig die Rückenflosse hängen läßt und nur träge durch das Becken schwimmt. Das kennt man ja schon aus "Free Willy".

Drinnen entdecken wir in einem Aquarium merkwürdige Seesterne mit tausend Armen, die wir bisher noch nie gesehen haben. Auch ein Tropenhaus gibt es hier, mit Schmetterlingen und Vögeln aus dem Amazonasgebiet. Aber mir wird es schnell zu warm, und ich sehe zu, dass ich hier wieder raus komme.

Wir verlassen das Aquarium Richtung Yachthafen, wo unzählige Katamarane und Segelyachten vor der Skyline von Vancouver-Downtown im Wasser dümpeln. Bei herrlichstem Wetter - ich wollte Birgit ja nicht glauben, dass ich keinen Pullover mitnehmen muß - spazieren wir den Uferweg entlang. Hier gibt es eine Spur für Fußgänger und eine für Radfahrer und Roller Blöds, nur hält sich niemand daran. Vorbei an bunten Totempfählen, wo wir uns bei einem fliegenden Händler eine Cola gönnen, gelangen wir zu einem abgesperrten Marine-Gebiet. Hier soll die Original-Discovery vor Anker liegen, aber wir entdecken nichts, und betreten dürfen wir das Gelände wohl kaum. In sanftem Bogen schwingt sich der Weg am Hafen entlang, und wir gelangen an die berühmte Nine-O'Clock-Gun, die - ebenfalls abgesperrt - in einem Metallkäfig auf einem Mauervorsprung steht.

Wir lassen uns Zeit und schlendern gemütlich am Rand des Stanley Parks entlang. An mehreren Kunstwerken und einem Wasserspielplatz für Kinder vorbei gelangen wir zurück zum Aquarium, wo wir um zehn vor vier in ein Taxi steigen. Der Fahrer, offenbar indischen Ursprungs, hat es ebenso offensichtlich eilig und treibt die langsam fahrenden Wagen vor sich her. Obwohl wir eigentlich zurück zum Campground wollen, fahren wir überraschenderweise erst ein Stück in die Innenstadt hinein. In einer Seitenstraße dreht der Taxifahrer dann aber und fährt in Richtung Lion's Gate Bridge.

"Bis 16 Uhr sind die Ausfallstraßen aus dem Stanley Park gesperrt" erklärt er uns, während er in dem ihm eigenen Fahrstil über die Brücke jagt. Beinahe ist an ihm ein Rennfahrer verloren gegangen.

Wir gönnen uns eine Stunde Ruhepause und legen die Füße ein wenig hoch. Im Wohnmobil herrscht eine Bullenhitze und wir werfen zum ersten mal in der ganzen Zeit hier die Klimaanlage an, die uns sofort einen kalten Luftstrom in die Gesichter bläst. Sobald ein wenig Kühlung eingetreten ist, schalten wir das mörderische Ding wieder aus, und um 17 Uhr 15 brechen wir mit unserem Fahrzeug auf zur Capilano Suspension Bridge.

Den Weg finden wir leicht; er führt stets Richtung Grouse Mountain. Direkt gegenüber einem kleinen Restaurant entdecken wir den Eingang zu einem Park, in dem die berühmte Hängebrücke hängt. Aber hier will man 8 Dollar 95 Eintritt haben, und das dafür, dass wir nur einmal über diese komische Brücke gehen wollen? Nee, das muß echt nicht sein. Die nehmen's gerne von den Touristen, haben wir den Eindruck.

Statt einzutreten fahren wir gleich weiter zur Talstation der Skyride Tram, der Seilbahn, die auf den Grouse Mountain hinaufführt. Wir haben schon komische Prinplzien: Knappe neun Dollar sind uns zuviel für eine Brücke, aber für eine Bergfahrt geben wir sogar 27 Dollar aus! Oben angelangt, sind wir aber derbe enttäuscht von der Aussicht. Es ist sehr diesig über Vancouver, und in andere Richtungen kann man vor lauter Bäumen gar nicht blicken. Die Sessellifte, die noch höher auf den Gipfel führen, fahren nicht mehr. Ursprünglich wollten wir den Sonnenuntergang über der Stadt abwarten, aber plötzlich hält uns hier nichts mehr. Mir kommt die Idee, in dem Restaurant Essen zu gehen, an dem wir auf der Fahrt hierher vorbeigekommen sind.

Das Bridge House Restaurant ist ein kleines, aber feines Häuschen. Wir warten zunächst im Eingangsbereich, wo wir auf Bänken Platz nehmen. An den Wänden hängen alte Fotos, die Lampe paßt jedoch überhaupt nicht dazu. Der Speisesaal, in den uns der offensichtlich einzige Kellner führt, ist nicht besonders groß; lediglich sieben Tische befinden sich hier. Aber das Essen ist sehr gut; zwar übersichtlich, aber sehr gut. Dank der Vorspeise werden wir auch satt. Außerdem werden wir uns hinterher im Wohnmobil noch Nachos mit Salsasoße als Nachtisch und Abschluß des heutigen Tages gönnen!

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