Entdeckungstouren in den Französischen Pyrenäen

Lacs de Bastan, Cirque de Gavarnie - und was dazwischen liegt

Im Sommer 1999 unternahm ich einen kurzen Abstecher in den Süden Frankreichs. Ich besuchte in den Französischen Pyrenäen u.a. das wunderschöne Réserve Naturelle de Néouvielle, um die Landschaft bei Wanderungen und Zelten in den Bergen kennenzulernen und zu erleben.

In meiner Reportage erfahren Sie von Tageswanderungen auf dem Fernwanderweg GR10, der durch die Pyrenäen führt, sowie von den weiteren Sehenswürdigkeiten wie dem gewaltigen Cirque de Gavarnie mit dem höchsten Wasserfall Europas. Sie werden sehen: Die anstrengende Fahrt in den Süden Frankreichs lohnt sich!

Weiterhin finden Sie einen Bericht von mir, der speziell von der Wanderung zu den Lacs de Bastans handelt, die ich im Néouvielle-Massiv unternommen habe.
Im Info-Teil finden Sie weitere nützliche Informationen zu diesem Abschnitt des Fernwanderweges GR10 und der Region.

Auf dieser Reise habe ich noch mit meiner Minolta-Kompaktkamera fotografiert; die Bilder habe ich als Dias aufgenommen.


Welcher Natur- und Wanderfreund hat nicht schon von der unglaublichen Schönheit der Pyrenäen gehört, von ihrer Ursprünglichkeit und Vielfältigkeit. Einen besonders herrlichen Teil auf französischer Seite dieses Gebirgsmassivs erreicht man nach etwa 14 Stunden abwechslungsreicher Autofahrt von Düsseldorf aus: die Hoch-Pyrenäen, die Gipfel mit bis zu 2700 Metern Höhe beherbergen. Nicht nur im bekannten Nationalpark der Pyrenäen, der nur einen relativ kleinen Teil des Gebirges bedeckt, sind wunderbare Wanderwege und phantastische Ausblicke zu genießen. Auch kleinere Naturschutzgebiete wie das Réserve Naturelle de Néouvielle im Aure-Tal heißen mit atemberaubender Landschaft willkommen. Zu erreichen ist es über die Autobahn E80 bzw. A64 von Toulouse aus über die Abfahrt Lannemezan.

Der Weitwanderweg GR10, auf dem die Pyrenäen vom Atlantik bis zum Mittelmeer durchquert werden können, passiert das Aure-Tal auf einigen sehr interessanten Abschnitten. Insbesondere vom Gipfel des 2500 Meter hohen Col de Portet eröffnet sich eine phantastische herbe Berglandschaft, die zu einer mehrtägigen Wanderung einlädt. Den Wagen am Parkplatz der Bergstation hinterlassend, begibt man sich auf den GR10 Richtung Westen und quert einige grasbewachsene, karge Flanken der umgebenden Gebirgszüge. Nach der Durchwatung einiger Bäche und der Begegnung mit faulen Schafen oder neugierig dreinblickenden Kühen fällt der Blick bald über 300 Meter tief auf den hübsch gelegenen Stausee Lac de l’Oule. Von hier aus beschreitet man eine Abzweigung des GR10, den GR10C, der nach Norden zu den Bastans-Seen führt, einer Gruppe von Seen, die leidenschaftslos und unromantisch Unterer, Mittlerer und Oberer See genannt werden. Wer hier einige kurze Steigungen und im Juni noch das Überqueren von Schneefeldern in Kauf nimmt, dem eröffnet sich eine idyllische Landschaft voller Romantik. Instantkaffee, mit Gebirgsbachwasser zubereitet, schmeckt in dieser Umgebung wie eine Offenbarung.

Nach wenigen Stunden hat man den Oberen See erreicht, wo man eine Hütte und mitunter einige einheimische Angler vorfindet, die sich hier ihr Abendessen erarbeiten. Wer nicht in dem hölzernen Gebäude die Nacht verbringen will, findet unterhalb der Seen an dem hier entspringenden namenlosen Gebirgsbach einige herrliche Fleckchen, um sein Zelt zu errichten. Die Abendstunden mit den langen Schatten und dem kontrastreichen Licht versprechen atemberaubende Eindrücke einer unglaublichen Landschaft.

Wen diese Seenlandschaft im Kleinen schon beeindruckt hat, der wird vom Naturschutzgebiet von Néouvielle begeistert sein. Wenn die Wetterlage es zuläßt und sämtlicher Schnee in den Höhen von über 2000 Meter geschmolzen ist, können die schönen Seen dieses Naturschutzgebietes auch zu Fuß vom Aure-Tal aus auf dem GR10 erreicht werden. Mit dem Auto erreicht man das noch im Aufbau befindliche Reservat über eine Zufahrtstraße von St.-Lary-Soulan aus, einem der touristischen Zentren im Aure-Tal. Der Eingang zum Naturschutzgebiet befindet sich bei der herrlich am Lac d’Orédon gelegenen gleichnamigen Schutzhütte. Wer will, kann hier übernachten oder auch auf einem angrenzenden Rasenstück sein Zelt aufschlagen.

Das Naturschutzgebiet von Néouvielle umfaßt mehrere Seen, u.a. einige Stauseen, und eine wilde Berglandschaft. Insbesondere die beiden benachbarten Seen Lac d’Aumar und Lac d’Aubert liefern eine phantastische Kombination von Eindrücken. Wenn das Wasser niedrig steht, wirken die Ufer des Aubert-Sees wie eine Mondlandschaft, so grau in grau ragen die großen Felsbrocken vor der Staumauer auf. Nur wenig Grün färbt das Bild ein, und unzählige Wasserfälle stürzen sich im Hintergrund von den Hängen der umliegenden Berge in den See. Zwischen den beiden Gewässern trotzt eine Hütte den heftigen Winden, die in etwa 2200 Meter Höhe an dem Wanderer zerren. Von hier sind über einen Pfad auch die beiden Laquettes-Seen zu erreichen, die etwas unterhalb des Lac d’Aubert liegen, oder auch der höher gelegene Gourg de Rabas, der über den GR10 zu erreichen ist.

Einen weiteren Höhepunkt der Pyrenäen findet man einige Autostunden weiter westlich in dem kleinen, aber touristisch sehr belebten Örtchen Gavarnie vor. Hier, etwa zwei Stunden südlich von Lourdes, stürzt sich in einem atemberaubenden Felskessel mit bis zu 1500 Meter hohen Steilwänden, dem Cirque de Gavarnie, der höchste Wasserfall Europas in die Tiefe. 422 Meter über den Köpfen des sich in der Gischt erfrischenden Wanderers überqueren die getauten Wasser eines Gletschersees die Felskante und ergießen sich als „Grande Cascade“ über Stufen in das Tal.

Über einen herrlichen Rundwanderweg kann man sich diese Eindrücke erschließen. Vom Campingplatz am Ende des Ortes Gavarnie aus erreicht man über einen nahezu ebenen und gut ausgebauten Weg das Hotel du Cirque, das am Eingang des Talkessels liegt. Von hier aus geht es über steinige Pfade und durch einige Bäche hindurch zur Gischt des Wasserfalls. Wer Glück und ein Fernglas dabei hat, kann auf der anderen Seite des Kessels Kletterer erkennen, die die steile Bergwand erklimmen. Der Rückweg verläuft hoch über dem Ort und liefert beeindruckende Bilder von der umgebenden Bergwelt und dem Tal von Gavarnie.

Wer auf dem kleinen Campingplatz am Ende des Ortes übernachten will, sei vorgewarnt: Allabendlich bevölkern jene Pferde, auf deren Rücken tagsüber zahlende Touristen den Cirque de Gavarnie erkunden, die Wiese, auf der man sein Zelt aufgeschlagen hat. Sie gehören der Besitzerin des Campingplatzes und finden nach Feierabend selbständig ihren Weg dorthin, um sich ein Abendessen zu genehmigen. Allerdings werden sie für die Nacht auf die Hänge der Berge getrieben, bevor sie den Campern zu aufdringlich werden können.

Weiterführende Informationen, z.B. über sonstige Attraktionen, Übernachtungsmöglichkeiten oder Aktivitäten, sind beim Comité Régional du Tourisme Hautes-Pyrénées in F-65004 Tarbes Cedex, 6 rue Eugène Ténot, oder allgemein beim französischen Fremdenverkehrsamt Maison de la France in 60325 Frankfurt, Westendstraße 47 erhältlich. Wer sich im Internet ein Bild vom Urlaubsland Frankreich machen möchte, kann dies auf der Weg-Site www.maison-de-la-france.com des Fremdenverkehrsamtes tun. Für Wanderungen in den Pyrenäen sei das gleichnamige Buch aus der Dumont aktiv-Reihe empfohlen. Hier findet man neben der Tour im Cirque de Gavarnie weitere schöne Routen. Wer auf eigene Faust die urtümliche Bergwelt erkunden will, sollte sich die entsprechenden IGN-Karten zulegen.

Die Route

1. Tag: Anreise in die Pyrenäen. 14 Stunden Fahrt bis nach La-Barthe-de-Neste. Dort Übernachtung in einem urigen Dorf-Hotel.

2. Tag: Weiterfahrt nach Vielle-Aure und von dort zum Parkplatz am Col de Portet. Dort Wanderung zu den „Lacs de Bastan“. Übernachtung im Zelt auf 2100 Meter Höhe direkt am namenlosen Bach, der den Seen von Bastan entspringt.

3. Tag: Wanderung zurück zum Parkplatz und Weiterfahrt in das Réserve Naturelle de Néouvielle. Kurze Wanderung zwischen den Seen Lac d’Aumar und Lac d’Aubert. Übernachtung auf dem Campingplatz von Le Pont du Moudang.

4. Tag: Weiterfahrt über Arreau und Luz-St-Sauveur nach Gavarnie. Dort Übernachtung auf dem Campingplatz am Ende des Ortes. Die belebte enge Straße, die nur für Anlieger freigegeben ist, kann beruhigt befahren werden. Den Campingplatz erreicht man über die hölzerne Brücke. Nicht erschrecken, wenn ab 18 Uhr Pferde den Campingplatz bevölkern - sie werden auf die Berghänge getrieben, kommen garantiert aber am nächsten Morgen wieder...

5. Tag: 6h-Wanderung zum Cirque de Gavarnie und durch das Tal von Gavarnie. Übernachtung in Argèles-Gazost.

6. Tag. Rückfahrt nach Deutschland.

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